verwendet. Was dem Unterricht des Herrn Rochelle aber ein ganz besonderes Gepräge gab, das war die Heranziehung der An- schauung in einem Umfange, wie ich es sonst nirgends gefunden habe. Er benutzt für seine deutschen Stunden(der unteren Klassen) ein Klassenzimmer, das in geradezu erfinderischer Weise den Schüler mõöglichst in deutsche Umgebung zu versetzen sucht. Die Hauptgrundlage seines Unterrichts bilden große An- schauungsbilder(sechzehn an Zahl), die nach seinen Angaben in dem rührigen Verlage von G. Delmas in Bordeaux hergestellt worden sind und die bereits in einer Reihe von franzöôsischen und ausländischen Schulen Verwendung finden. Sie sind den Bedürfnissen und Einrichtungen der Hauptsprachgebiete, in denen sie gebraucht werden, sorgfältig angepaßt, und ihre Verwendung wird durch erklärende Texte in der betreffenden Sprache er- leichtert. Die Bilder sind vom künstlerischen Standpunkte aus sicher nicht einwandfrei, da sie z. T. ein unwahrscheinliches Vielerlei enthalten, aber sie gewähren durch ihre geschickte, inhaltsvolle Zusammenstellung unleugbare praktische Vorteile. Sie stellen ein überaus reichhaltiges Anschauungswörterbuch dar, an das sich schier unerschöpfliche Sprechübungen anknüpfen lassen.
Aber diese großen Bilder erschöpfen noch nicht die Eigen- art der Klasse des Herrn Rochelle. Diese besteht vielmehr in der Anbringung von zahlreichen kleineren Hilfsmitteln für die mittelbare(Abbildung) und unmittelbare Anschauung(Gegenstand selbst) an den Wänden der Klasse, während weitere derartige Dinge in Schubläden und Schrankfächern ihrer Verwertung harren. So sah ich ein Thermometer, auf dem außer der Gradeinteilung nach Réaumur und Celsius an den passenden Stellen die Wörter oder Saâtze eiskalt, kalt, es gefriert, es taut, kühl, lau, warm, heiß angebracht waren. In der Nâhe hing ein Kalender mit verstellbarem Datum und Namen des Wochentags sowie den ebenfalls auswechselbaren Aufschriften: Heute haben wir...., gestern(vorgestern) hatten wir u. s. w. Auf einer großen Pappe waren die vier Haupt- mit den vier Nebenhimmelsrichtungen zu lesen. Eine andere zeigte neben den entsprechenden Bezeichnungen die häufigsten Farben, wieder eine andere Blumen, die im deutschen Lesestoff eine Rolle spielen, und sogar Abbildungen von Schinken, Braten, Wurst, Käse u. s. w. waren zu finden. Ich fühlte mich fast in die Heimat zurückversetzt, als ich eine große Zahl von Reklamebildern und Reklameschildern sah, wie die von Kaisers Kaffee, von Maggis Suppenwürze, Liebigs Fleischextrakt, von
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