Dürft ihr gehen?— Sg.: Darfst du gehen?— Präteritum: Durftest du gehen? u. s. W. Da bei dieser UÜbung die eine Form immer ganz eng an die vorhergehende angeschlossen wurde, so mußten die Schüler scharf aufpassen, zumal da Herr Pernolle es bei den vielen Formen, die er bilden ließ, streng vermied, in eine irgend- wie regelmäßige Reihenfolge zu verfallen, vielmehr in straffer Augenblicksarbeit immer neue, unvorhergesehene Formen ver- langte. Zur Erholung wurde dann das Rückertsche Gedicht vom Kaiser Barbarossa recht hübsch hergesagt. Auch das Um- formen des Gelesenen nach bestimmten Gesichtspunkten spielte eine Rolle. So wurde ein Stück, das von einer Eisenbahn- fahrt handelt, mit Hilfe des Lehrers in ein Gespräch umgewanqdelt. Uberhaupt war die Art und Weise, wie Herr Pernolle den Inhalt des Gelesenen immer wieder zu beleuchten und zu veranschau- lichen, manchmal fast dramatisch zu beleben verstand, geradezu meisterhaft.
Außerdem wurde die Mimik ausgiebig verwandt, was ich fast überall in den franzõsischen Schulen beobachten konnte. Das ist ein Hilfsmittel für den Sprachunterricht, das dem Franzosen seiner ganzen Naturanlage weit mehr zur Verfügung steht als dem Deutschen. Der Franzose hat ein bedeutendes mimisches Talent, wie man auch im Alltagsleben wahrnehmen kann, und diese schauspielerische Veranlagung stellt er denn auch unwill- kürlich in den Dienst des Unterrichts. Der Deutsche steht ihm in dieser Hinsicht entschieden nach, und wenn er sich in dieser Richtung betâtigen will, macht er leicht einen gezwungenen oder gar lächerlichen Eindruck.
In grammatischer Hinsicht môchte ich noch die Gründlichkeit erwähnen, mit der auf die für den Franzosen so schwierige Unterscheidung der deutschen Kasus, überhaupt Flexionsformen hingearbeitet wurde. Erst durch die Besuche deutscher Sprach- stunden in franzõsischen Schulen wurde es mir ganz klar, wie schwer dem Franzosen diese Unterscheidung fallen muß, da ja bei ihm Nom. und Akk. fast stets gleich sind, da er nach allen Prâpositionen denselben Kasus setzt, da bei ihm das Adjektiv und das Substantiv keine Kasusflexion haben. Da er auch in der Grammatik nur zwei Geschlechter unterscheidet, wollen ihm die drei grammatischen Geschlechter des Deutschen gar nicht in den Sinn, namentlich in Fällen, wo das natürliche Geschlecht vom grammatischen abweicht(das Kind, Mâdchen, Weib). So müssen denn Unterscheidungen wie: er sitzt in dem Hause,
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