Aufsatz 
Eindrücke und Beobachtungen während eines Studienaufenthaltes in Frankreich
Entstehung
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und Wendungen mußte gelegentlich der Zusammenhang(Satz und Stück), in dem sie begegnet waren, angegeben werden. Die Wort- und Sacherklärungen des Lehrers trugen die Schüler, schnell nachschreibend, in ein Heft ein, was ich auch in anderen Klassen beobachtete, Benutzt wurde auch ein Worterbuch, in dem deutsche Wörter deutsch erklärt werden, wobei allerdings hier und da zur Verdeutlichung ein französisches Wort in Klammern bei- gefügt ist. Erstaunt war ich über die Fülle von Beispielen, die den Schülern als Belegsâtze für bestimmte Wöorter zur Ver- fügung standen, sowie über die Geschicklichkeit, mit der sie wenn auch nur die besseren unter ihnen bestimmte Worter oder grammatische Erscheinungen in frei gebildeten Sâtzen zur Anwendung brachten. Dabei fiel es mir auf, daß sich die jungen Franzosen für das WortEhre ganz besonders zu interessieren schienen, das sie schnell nacheinander in etwa dreißig Sätzen, teils dem Lesestoffe entlehnt, teils selbst gebildet, vorführten: Seine Ehre war verloren(gerettet), er hat keine Ehre, er ist ohne Ehre, er hat seine Ehre gerettet(verloren, wieder- hergestellt), was weiß er von Ehre? Er ist ehrlos, er hat kein Ehrgefühl, du Stadt an Ehren reich u. s. w. Das letztere Bei- spiel war ihnen aus dem KapitelKurt als Heidelberger Student des oben genannten Lesebuches geläufig. Das Chorsprechen wurde auch ausgiebig angewandt. Es herrschte frisches Leben in der Klasse, so daß ich mich freute, als mir der Lehrer auf meine Bitte hin gestattete, mich mit den Schülern etwas in deutscher Sprache zu unterhalten. Ich erzählte ihnen von meiner Reise, von Frankfurt a. M. und von seinen Schulen. Die meisten verstanden recht gut, was ich ihnen langsam und deutlich mit gelegentlicher Wiederholung vortrug, einige gaben auch auf meine Wiederholungsfragen recht hübsche Antworten. Die Knaben waren offenbar ebenso befriedigt wie ich, und mehrere Postkarten bezeugten mir hinterher, daß sie sich gern dieser Stunde er- innerten.

Dann besuchte ich eine Seconde des Herrn Gruber, wo Schillers Lied von der Glocke behandelt wurde. Hier wurde bedeutend weniger deutsch gesprochen, was der Lehrer, der das Deutsche selbst sehr gut handhabte, damit begründete, daß er auf die später Eingetretenen und anders Vorgebildeten Rücksicht nehmen müsse. Die Texterklärung der Glocke in deutscher Sprache vor einer franzôsischen Klasse ist sicher eine ziemlich schwierige Aufgabe, und ich freute mich sehr darüber, wie

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