schon nach Pfingsten nicht mehr môglich, die Genehmigung dafũr zu erlangen, da dort die Vorbereitungen zu den zahlreichen Prüfungen, mit denen in allen Klassen das Schuljahr abgeschlossen wird, schon sehr zeitig einsetzen.
Wie bereits erwähnt, kam es mir als Neusprachler bei meinen Hospitierbesuchen vor allem darauf an, den Unterrichts- betrieb in den lebenden Fremdsprachen näher kennen zu lernen, und dank dem freundlichen Entgegenkommen der Herren Direk- toren und Kollegen gelang es mir auch, meine Hospitiertatigkeit so einzurichten, daß ich ein klares Bild von der im deutschen und englischen Unterricht herrschenden Methode gewann.
Die erste Stunde, die ich hörte, war eine deutsche Stunde in der Troisiéme des Lycée Ampère zu Lyon. Die Klasse zählte etwa fünfundzwanzig Schüler. Ich bemerke hierbei gleich allgemein, daß ich in den franzõsischen höôheren Schulen nirgends so zahl- reiche Klassen fand, wie wir sie bei uns leider haben. Es waren nur ausnahmsweise mehr als dreißig Schüler im neusprachlichen Unterricht vereinigt; in den meisten Fällen waren es an zwanzig, und das gilt auch für die mittleren und unteren Klassen. Bei den franzõsischen Fachgenossen herrschte überall die UÜberzeugung, daß die neue Methode im neusprachlichen Unterricht, die in Frankreich seit 1902 amtlich vorgeschrieben ist und als„Méthode directe“ bezeichnet wird, erfolgreich nur in Klassen durchgeführt werden kann, die nicht überfüllt sind. Es heißt darüber aus- drücklich in den Lehrplänen vom Jahre 1902:«En ce qui concerne notamment l'enseignement des langues vivantes, un nombre d'élèves assez restreint est la condition d'une bonne application des nou- velles méthodes. Autant que possible, le chiffre de vingt-cinq élèves ne devra pas èêtre dépassé; il est désirable qu'en général ce chiffre ne soit pas atteint.»
Die erwähnte Troisième stand im fünften Jahre des deutschen Unterrichts. Sie war durch Ab- und Zugänge seit dem Beginn des Deutschen in ihrer Zusammensetzung wesentlich verändert worden, weswegen sie der Lehrer, ein Herr Meister, scherzend eine„race mixte“ nannte. Trotzdem war die Klasse im Deutschen im ganzen recht gut geschult. Einzelne Schüler trugen zunächst das bekannte Gedicht„Der reichste Fürst“ vor. Die„franzôsische“ Aussprache des Deutschen, wie man sie kurz kennzeichnen könnte, kam mir natürlich anfangs eigentümlich vor, doch ge- wöhnte ich mich im Laufe meiner Hospitiertätigkeit an diese Laute, die man nicht zu schroff beurteilen darf; denn einerseits
18


