die ständige Verwaltungs- und Aufsichtsbehörde für die höheren Schulen ihres Amtsbereiches ist, unterliegen diese auch noch einer besonderen Aufsicht und Kontrolle durch Beamte, die dem Minister unmittelbar unterstehen und in seinem Auftrage die Schulen von Zeit zu Zeit zu besuchen haben. Sie führen den Titel„Inspecteur général“.
Die höheren Knabenschulen haben heute, soweit sie vom Staate allein unterhalten werden, den Namen Lycée, den auch Napoléon I. eingeführt hat, während die ältere Bezeichnung Collège nur noch solchen höheren Schulen gegeben wird, die ganz oder teilweise auf Kosten einer Stadtgemeinde bestehen. Auf die von Religionsgemeinschaften oder von Privaten ge- gründeten Schulen, die man häufig mit„Collège libre“ bezeichnet, die aber auch der Staatsaufsicht unterworfen sind, will ich hier nicht eingehen. Der Direktor einer staatlichen höheren Knaben- schule(Lycée) hat den Titel Proviseur, während der eines Collèége„Principal“ genannt wird. Neben dem Proviseur steht der ihm untergeordnete Censeur. Während der Proviseur die Oberleitung und die Hauptverantwortung hat, liegt dem Censeur vor allem die Wahrung der Schulzucht, insbesondere die Auf- sicht über das Internat ob. Letzteres, d. h. die Pensionsanstalt für die Schüler, spielt im franzõsischen höheren Schulwesen eine für uns Deutsche schwer verständliche Rolle. Wir können uns kaum vorstellen, daß etwa zwei Drittel der Schüler der höheren Lehranstalten nicht bei ihren Eltern, sondern in der an das Lycée oder Colléège angegliederten Schülerpension wohnen. Unter dem Proviseur und dem Censeur steht noch ein ganzes Personal für die Verwaltung und wirtschaftliche Versorgung des Internats. Es bedarf natürlich auch einer großen Zahl von pädagogischen Hilfskräften, um die häusliche, d. h. hier im Inter- nate stattfindende Beschäftigung der Schüler, ihre gesamten Schulaufgaben, ihre Spiele und Spaziergänge zu überwachen. Der„Maitre d'Etudes“ oder„Maitre répétiteur“, dem diese Auf- gabe zufällt, hat natürlich keinen leichten Stand. Ich lernte einige dieser Herren kennen und hörte von ihnen, was sie alles zu leisten und zu dulden haben. Aber auch die Jugend bedauerte ich, die durch Trennung von den Angehôrigen viel entbehren muß, wenn mir auch mehrere Knaben offenherzig versicherten, daß ihnen das Leben im Internate ganz gut gefalle und daß sie da viel Spaß hätten.
Ehe ich dazu übergehe, die Unterrichtsstunden zu schildern,
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