Ein ganz anderes Bild bot die Fahrt von Bayonne nach Bordeaux durch die eigenartige Landschaft, die den Namen„Les Landes“ führt. Es ist ein früher vöôllig ödes, flaches Heide- und Moorland, das durch Entwässerung und Bepflanzung mehr und mehr in nutzbringendes Waldgebiet umgewandelt wird, das aber auch seine landschaftlichen Reize hat. Aus der Stille dieser Heide ging es hinein in das große, geräuschvolle Bordeaux mit seinen gewaltigen Docks an den beiden großen Hafenbecken an der breiten, stolzen Garonne. Es erinnerte mich sehr an Hamburg, doch gibt ihm der bedeutende Weinhandel sein be- sonderes Gepräge. Noch nie hatte ich solche Mengen von Wein- fässern in allen Größen gesehen wie hier. Einen Teil des be- rühmten Weinlandes durchfuhr ich, als ich von Bordeaux aus meine Reise nach Norden zu fortsetzte.
lch machte weiterhin zunächst Halt in Poitiers und in Tours, wo ich wieder zahlreiche schöne Bauten aus dem Mittel- alter und aus der Renaissancezeit vorfand. Die nâhere und weitere Umgebung von Tours, die Touraine, zeichnet sich nicht nur durch große Fruchtbarkeit aus, weswegen sie mit Recht der Garten Frankreichs genannt wird, sondern auch durch ihren Reichtum an schönen Schlössern und Burgen, und mit berechtigtem Stolze rühmt der Franzose die„Chateaux de la Loire“, wie wir etwa von den Burgen am Rhein sprechen. Doch haben wir es in der Loiregegend meist mit wohlerhaltenen Schlössern zu tun, die zum Teil wahre Perlen der Renaissance sind. Von den Schlössern, die ich in dieser Gegend sah, hebe ich nur die allerschönsten, das von Blois und das von Chambord, hervor. In Orléans, das reich ist an Erinnerungen an Jeanne d'Arc und wo man ihr zu Ehren noch in unserer Zeit alljährlich eine große Prozession veranstaltet, an der die geistlichen und weltlichen Würdentrãger in einer für das heutige Frankreich seltenen Harmonie teilnehmen, verließ ich die Loire, um einige Zeit in Paris zuzubringen.
In dem einzigartigen Paris verweilte ich von Anfang Juni bis Mitte Juli. Mit der gut empfohlenen Pension, die ich hier wählte, war ich sehr zufrieden, und ich kann sie mit gutem Gewissen weiter empfehlen(Pension Geffroy, 28 Rue Gay-Lussac). Ich hatte daselbst viel Gelegenheit zu gebildeter Unterhaltung und bekam manchen trefflichen Wink. Dankenswerte Anregung und Förderung fand ich auch bei den Personen, mit denen ich durch die Empfehlung des Herrn Direktor Walter in Beziehung trat. Von all dem Schönen und Sehenswerten, was ich in Paris sah
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