an Mistral erhalten, wofür ich auch an dieser Stelle nochmals herzlich danke. Um den Dichter aufzusuchen, fuhr ich nach Tarascon, der durch Alphonse Daudet bekannt gewordenen, an sich unbedeutenden kleinen Provinzialstadt, und von da aus nach Maillane, dem Wohnsitze Mistrals. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und verlebte eine unvergeßliche Stunde bei dem greisen, aber noch sehr rüstigen Dichter, der in seiner engeren Heimat allgemein beliebt und geehrt ist. In Arles, wohin ich mich dann wandte, nahm mich außer den auch hier reichlich vorhandenen rõmischen Altertümern und neben hervor- ragenden Baudenkmälern aus dem Mittelalter ganz besonders das von Mistral begründete und mir von ihm selbst warm empfohlene Musée Arlésien(prov. Museon Arlaten) in Anspruch. Wir haben es hier mit einem hochinteressanten kulturhistorischen Museum für das ganze Gebiet der südfranzösischen Dialekte zu tun, das Mistral mit Stolz und mit Recht sein Museum nennt. Die weitaus bedeutendste Stadt hinsichtlich der rémischen Alter- tümer ist das schöne Nimes, dessen Arena als die besterhaltene überhaupt gilt. Ebenso kann man selbst in ltalien nur wenige Tempel aus der Zeit der alten Römer finden, die schôner gebaut und besser erhalten sind als der zu Nimes, der unter dem Namen„Maison-Carrée“ bekannt ist. Unter den Standbildern gefiel mir das für Daudet, den treuen Sohn der Stadt, errichtete am besten. Von Nimes aus besichtigte ich eins der gewaltigsten Denkmäler römischer Baukunst, das den Namen Pont du Gard führt, ein Stück einer ehemaligen römischen Wasserleitungs- anlage, die brückenartig über ein breites Tal führte. Damit schied ich aus dieser Gegend Frankreichs, die an Erinnerungen aus der Römerzeit am allerreichsten ist. Klarer als je war mir durch all das Gesehene die Bedeutung der Römer als Kultur- träger geworden. Deutlicher als je erkannte ich, was für ein hervorragend begabtes Volk sie waren, welche hohen koloni- satorischen Fähigkeiten sie hatten, auch wie fest einst ihre Hand auf den Ländern des Mittelmeeres, besonders auf dem südlichen Gallien ruhte.
In Montpellier, wo ich auch das Lycée besuchte, lernte ich eine schöne, vornehme und ruhige Universitätsstadt kennen, und in Cette kam ich noch einmal an das Mittelmeer. Ich war erstaunt über den Verkehr in dem stattlichen Hafen, der nach Marseille der bedeutendste Hafen Frankreichs am Mittel- meer ist. Von hier aus folgte ich bis Toulouse dem Canal du


