Die„Aıtthologie‘“ erhielt den Namen: Notenblätter zur musikalischen Korrespondenz.
Nach„Plan und Einladung zur teutschen Filarmonischen Gesellschaft“, deren„Unternehmer“ Boßler und Christmann waren, sollte diese Ge- sellschaft den Zweck haben:
1. Alle Schriften, die zur spekulativen Musik mittelbar oder un- mittelbar gehören, einheimische und fremde Produktionen, Werke von mehreren Bänden, sowie Bröchüren von einzelnen Bögen;
2. alle Werke der praktischen Musik, sie mögen in ein Fach ge- hören in welches sie wollen, sie mögen in Teutschland, oder Italien, Frankreich oder England herauskommen, selbst ältere Werke, die sehr kostbar sind, und sich selten gemacht haben, auch Kirchenmusik, als Messen, Oratorien, Motetten, Cantaten u. d. gl. in allgemeinen Umlauf zu bringen..
Es ist für Speyer von Interesse, daß mittelbar aus dieser„Filarmo- nischen Gesellschaft“ der heute mit der Liedertafel vereinigte Speyerer „Cäcilienverein‘ hervorging. Vgl. Theodor Heins, Was man vor 100 Jahren in Speier über Mozart schrieb(Feuilleton der Speierer Zeitung 1891, 5. Dezember). Der praktische Teil der Realzeitung umfaßte 3 Bände (1788: 100 Seiten, 1789: 208 Seiten, 1790: 103 Seiten), der Korrespondenz ebenso 3 Bände(1790: 98 Seiten, 1791: 200 Seiten, 1792: 202 Seiten). Eine andere ähnliche Unternehmung des unermüdlichen Rates B.:„Bib- liothek der Grazien‘, musikalische Monatschrift für Liebhaberinnen und Freunde des Gesanges und Klaviers(Speier 1789—91) brachte nach M. Friedländer, Das deutsche Lied im 18. Jahrhundert I 1, 283 ff. eine große Reihe von Instrumentalstücken und Gesängen aus deutschen und italienischen Singspielen und Opern, u. a. bereits 1789 die Es-dur-Arie der Elvira aus Don Juan. Interessant für B.s findigen Geschäftssinn ist folgende Anzeige:„Bei Rath Boßler in Speier sind sehr artige musikalische Neujahrwünsche fürs Klavier(von Herrn Musikdirektor Brandl) gesetzt zu 6 kr. das Stück zu haben.“(Realzeitung 1788 S. 197.)
Nach 1792 tritt B.s Name wenig mehr in die Öffentlichkeit. Wahr- scheinlich brachte er noch von Speyer aus(6. Januar 1792) seinen 16jährigen Sohn Friedrich Jakob Boßler— also nicht Bosselt, wie H. Wagner, Geschichte der Hohen Carls-Schule I 445 zu lesen— auf die berühmte Akademie, damit er in der Kupferstecherkunst sich vervoll- kommne. Der Vater begleitete 1791 nach seiner Übersiedelung nach Darm- stadt die blinde Glas-Harmonika-Virtuosin Marianne Kirchgeßner, die aus Waghäusel bei Speyer stammte und die v. Beroldingen hatte aus- bilden lassen(s. Pfälz. Memorabile II(1875) S..196 ff. Allg. D. Biogr. (C. F. Pohl) 16 S. 7f. Anhang XX) auf ihren Kunstreisen, so auch nach London, ließ sich 1799 in Gohlis bei Leipzig nieder und starb daselbst 1812, wie aus Allg. Mus. Ztg. XV 505 Anm. sich ergibt. Eine 1809 versprochene Biographie der Kirchgeßner war bei seinem Tode bis auf die letzte Revision fertig, scheint aber nicht heraus gekommen zu sein. Bruchstiück daraus: Allg. Mus. Zeit. XI 497.(v. Dommer in: Allg. D. Biogr.). Die Kenntnis der selten gewordenen„Realzeitung“ und„Korrespondenz“ danke ich Herrn Dr. C. Diernfellner in Speyer, ein Exemplar der Korrespondenz‘ besitzt auch das Kreismuseum der
Pfalz in Speyer.


