Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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Zum Leben Marianne Kirchgeßners

Auszug eines Schreibens von einem Reisenden an die Heraus- geber der Musikalischen Korrespondenz vom 4ten November.

Sie haben uns in Jhrer mufifal. Zeitung und SKorrefpondenz jhon jo mande jchoene biographiihe Nachrichten von grojen Tontuenjtlern mitgetheilt und id) glaube, daß Sie den Dant Jhrer Lefer nicht minder verdienen werden, wenn Gie folde mit einer grofen, aber leider! blinden Virtuofin auf der Harmonila, die ic) bei meiner Durdreife durh Bruchjfal fennen lernte, befannt maden, und Ddieje Eleine Skizze aus ihrem Leben darinnen aufnehmen werden.

Demoijelle Mariane Kirhgaehkner in Brudjal, ein Yrauenzimmer von 20 Fahren, hatte leider jhon in ihrem vierten Jahre das Unglüf durd bößartige Polfen und den[hwarzen Staar das Licht ihrer Augen zu verliehren, Man Tann fi) hier den Kummer des redhtjhafnen alten Vaters, weldher damals Zürftl. Beamter in Waghäufel war, nun aber als Rammerzahlmeijter in Bruchfal mit feiner zahlreihen Yamilie lebt, und mit einem Gehalt von 400 Gulden von dem gnädigiten Yürjten zur Ruhe gejeßt worden ijt, leicht denten. Uber wie weißli dod) die Vorjiht für gute Seelen Jorgt! jhon in den frühejten Jahren erwadte bei der guten Mariane die groje Neigung zur Mufit und fie lernte ohne alle Unweijung recht viele Stüfte auf dem Klavier; Dadurd) wurde fie dem Herrn Dohmtlapitularen zu Speier und Hildesheim, nunmehrigen Reidhs- prälaten und Probjten des unmittelbaren Reidhsitists zu Odenheim, Reichsfreiherrn von Beroldingen befannt, weldhe jhon jo mandes auffeimende Genie auf das menjchenfreundlidjte unterjtüßt haben; liefen fie auf eigene Kojten bei dem Kapellmeijter Schmittbaur in Karlsruhe die Harmonila erlernen, und nod dazu ein eigenes njtrument um hundert Dufaten bei demjelben für fie verfertigen, und jv wurde unfre gute, blinde Kirhgaeknerin zu der grofen PBirtuofin auf der himmlifhen Harmonifa vorbereitet, wozu fie fih nun durd fteten Fleih und unermüdeten Eifer ganz ausgebildet hat. Möchten Sie dod nur einmal diefelbe ein old göttlihes Adagio, und das Hinjterben und Wahlen der Töne, aus den Gloffen mit ihren jchönen Yingern herauszaubern hören, wie id es jo glüflid war! warlid, Sie würden diefe feelige Augenbliffe nit um alles vertaufchen! id) meines TIheils date mid) da ganz in die Harmonie der Sphären, und hörte das Lied des GSeraphs am Throne des Unerjhafnen. Weg mit dem faljhen Wahn, als jeyge der Harmonifaton nerven erjhütternd! Nein das ijt er in der That nit und Nihter hat NRedht, wenn er von ihr jagt:

SFüngjte, Schönfte von den jchönen Töchtern füjfer Harmonie, Der in zauberijhen QTönen Allgewalt die Mutter Tieh! Sterblihen zum Trojt gejendet, die die Göttin weinen jah Aus Elifium entwendet, wurdejt du SHarmonita!

Musikalische Korrespondenz der teutschen Filarmonischen Gesellschaft 1790 No. 22 Spalte 170 f.;

Schreiben aus Bruchsal vom 18. December.

Die ohnlängjt in Nro. 22 ihrer mujil, Korrefp, befannt gewordene blinde Virtuofin auf der Harmonita hat fi) entihloffen, einem Rufe zu folge die Reife dur Schwaben und Bayern nad) Wien zu mahen. Wir wünfhen allen gefühlvollen Liebhabern der göttlihen Tonfunjt GTüf, die Gelegenheit haben dieje gejhmafvolle Schülerin Schmittbauers, Demoifelle Mariane Kird- gähmer auf diefer Route das Götterinjtrument die Harmonika fpielen zu hören! fie hat ganz für daffelbe eigends gefeßte fehr[höne Sonaten, Quar- tetten, Quintetten und Konzerte von dem geihilten Hrn. Eihhorn bei fid, die den größten Beifall aller Kenner erhalten werden.

N, 8, Ebenda Sp 207.