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II Sophie v. La Roche an Merck!
Speier, den 24. Dez. 1780,
Id antworte|pät auf den theilnehmenden Brief, der mir und La Rode jo viele"reude machte, aber feinen Entzwed nic) verfehlt hatte, uns Trojt und Aufheiterung zu geben. Denn gewiß in dem Augenblid, da jhlehte Menjchen uns quälten, war die Freundihaft und Mitleidven der Guten Yeljengrund für uns. Lafjen Sie, Merk! diefen Vorgang mit La Node, diefen jo bittern Kummer, der über mid) gieng, zum neuen dauernden Gewebe einer freundlichen Verbindung werden. Kommen Gie einmal zu uns, jehen Sie Hohenfeld, den großen jeltnen reund, was er that und nod thut, es muß für Sie ein Feittag jeyn, jo eine Erjheinung in der würkliden Menfchenwelt zu jehen.— Kommen Sie aud, einen Mebger zu fehen, der Trauerjpiele fhrieb und druden Tieh, und einen Bäder, der Claviere macht und unjeren Baron Beroldingen, der nun bald wieder von Wien da jeyn wird, wo er im Nahmen eines Soldaten ein Lied auf den Tod der Kaijerin madhte, das man unendlid) wohl aufnahm.— Leben Sie wohl! Nehmen Sie meinen herzlihen Dank für Ihren Brief mit der alten Yreundfhaft auf, die Sie hatten für dr
K. Wagner, Briefe an Johann Heinrich Merck von Goethe, Herder, Wieland und andern bedeutenden Zeitgenossen 128 S. 279 f.
II
Johann Heinrich Landolt über Sophie Laroche Ungedruckter Tagebuchauszug (S. oben S. 29)
Sonnabends 7. Septemb. 1782,%Yrüh um 6 Uhr verliejjen wir Karlsruhe, wo wir 3 Tage über fo viel Vergnügen und Freundichaft genojjen hatten.— Der Weg von hier nad) Speyer geht beynahe in einer ununterbrodhenen gerade Allee fort, deren Perjpectiv den Ihönjten Effect madt. Sobald wir in Speyer anfamen, Tiejjen wir uns bei Herrn Kanzler von La Roche und feiner Sophie um PVijite anfragen, gingen dann hin, u. wurden mit der heiterjten Miene empfangen. Hr. von Laroche zeigte uns fein Naturalien-Kabinet, das ihm viel Freude madht; in Erzitufen, vorzüglid in eijenhaltigen, ijt es reich, übrigens aber nicht jehr fomplet. Er befigt auch eine ziemliche Anzahl jhöner Gemälde von groffen Meijtern?;— auch einige von den WBorzellantellerhen, weldhe von Raphael bemalt worden fein jollen, da er ji)— wie man erzählt—
! J. H. Merck(1741—1791) war mit Wieland, Friedrich Jacobi, Herder und anderen bekannt; auf Goethe hatte er mehr Einfluß als je ein Mensch vor- oder nachher. Nach allen Seiten hin hatte er sich eine achtunggebietende Bedeutung verschafft; er stand mit den größten und bedeutendsten Zeitgenossen in Verbindung und anregendem Verkehr, die Landgräfin Karoline nahm ihn zum Begleiter auf der Reise nach St. Petersburg(1773). Er war in gewissem Sinne schaffender Künstler, zeichnete, dichtete, trieb daneben paläontologische Studien und warf sich auf industrielle Unternehmungen. K. Goedeke, Grundriß? IV 1 S. 300. A. Bielschowsky, Goethe 19 145ff. A. Langmesser, Jakob Sarasin S. 58 ff.
2 Besonders von Tischbein(R. Hassencamp in: Euphorion II (1895) 587), der sich in Warthausen aufhielt, wo La Roche als Stadion- scher Rat in Diensten stand. G. v. Loeperaa.©. XI.


