Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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Goethe an Frau v. Stein Gegen Speyer über am Rhein. d. 24, Sept. 79.

Mir warten auf die Fähre indejj will ih im Schatten hnen einige Worte jhreiben.

Wir jtreihen wie ein ftiller Bad) immer weiter gelajjen in die Welt bin, haben heute den jhönjten Tag, und bisher das erwünjdhte Glüd. Auf diejem Weege refapitulir id) mein ganz vorig Leben fehe alle alte befannte wieder, Gott weis was ji) am Ende zujammen jummiren wird. Dem Herzog thuts lehrt wohl, Wedel ift vergnügt. Die Schweiz liegt vor uns und wir hoffen mit Beyjtand des Himmels in den grojfen Gejtalten der Welt uns umzutreiben, und unfre Geijter im Erhabnen der Natur zu baden. Laffen Sie immer etwas nad) Frandfurt gehen, es wird mir nachgejhidt oder erwartet mid). Leben Sie wohl! auf der andern Seite ein leihtes Schattenbild der Gegend.

Rheinzabern d. 2öten Sept. früh,

IH hatte mir vorgenommen ein Hlein Diarium zu jchreiben, es ging aber nit weil es mir feinen nahen Zwed hatte, künftig will ih Ihnen täg- lid, einfady aufjchreiben was uns gejhieht. Gejtern Mittag Tamen wir zu Speyer an, wie Sie aus der Bleyitifft Beylage jehen, und juchten den Dom- ber Beroldingen auf. Er it ein Tebhafter, grader, und rein theilnehmender Mann. Wir fahen den Dom ein halb neues halb aus dem Brand über- bliebnes Gebäude dejjen erjte Anlage wie die alten Kirchen zujammen in dem wahren Gefühl der Andadht gemadt ift. Sie fhliefen den Menihen in den einfahen.gro)en Yormen zufammen, und in ihren hohen Gewölben Tan fid doh der Geilt wieder ausbreiten, und aufjteigen, ohne wies in der grojen Natur gejhieht ganz ins unendlihe überzufhweifen........ Mir jahen in der Sejjionsjtube des Capitels die Scizze zur Hochzeit von Cana durd) Paul Veroneje ein trefflihes Stüd, mit grojfer liebe und leichtigfeit gemahlen und gewalt und tüchtigfeit. Die meilten Köpfe jieht man find Portraits auffallend lebendig. Wir jahen die Gemählde Sammlung des Dechanten! der fehr viel und mandes gute bejizzt. Die Landihafften zogen mid befonders an, denn ich hoffe immer nod) etwas zu lernen....... Mir fanden bey Berold. jelbjt manıhes Gute an Gemählden und Kupfern, aber alles durcheinander geframt, eben eine Hagejtolzen Wirthihafft. Er it das Jahr 5 Monate in Hildesheim die übrige Zeit theils hier theils auf Touren, und jo fommt er nit zur Ruhe und Ord« nung. Er fennt und liebt die Kunft fehr lebhafft, und weis was cin Mahler thut. Abends bey Ihönem Mondfhein fuhren wir hierher, da wir unfre Pferde Zeitiger vorausihidten. Hier ift nihts zu jagen wir famen um eilf Uhr an Ihliefen lange, und reiten gleich weiter.

A. Schöll J. Wahle, Goethes Briefe an Frau v. Stein? I S. 173 f.

iv. Hutten; s. oben S. 31.