12 Leuchsenring
von Schillers Bildnis, gestiftet an seinem 100. Geburtstage in dessen Wohnzimmer zu Oggersheim durch Christian Leuchsenring, Kgl. bayer. Notar in Ludwigshafen a. Rh., zur Erinnerung an den Besuch, welchen dessen Großoheim Frangois Michel de Leuchsen- ring' aus Paris im Auftrag seines Freundes J. W. von Goethe
I Franz Michael Leuchsenring(französisch Leysering, Leisring oder Liserin), geb. 13. April 1746 zu(Langen-) Kandel in der Pfalz, genoß im Hause seiner wohlhabenden Eltern eine gute Erziehung. Sein Vater, Johann Philipp L., war Apotheker; seine Mutter hieß Maria Katharina Jung. Franz Michael war das jüngste von sieben Kindern (Idaea Katharina, geb. 2. März 1730, Johann Ludwig, geb. 18. März 1732, Johannes, geb. 4. März 1734, Johannes, geb. 5. Aug. 1735, Johann Michael, geb. 23. Juli 1737, Johann Conrad, geb. 17. April 1742). Mit diesen den Akten der Gemeinde Kandel entnommenen Angaben, deren Kenntnis uns Herr Kirchenrat Metzler in Kandel gütigst vermittelte, ist die Frage nach dem Geburtsort L.s geklärt sowie sein Geburtsdatum zum ersten Male mitgeteilt. Vgl. J. Keller, Zur Kenntnis F. M. Leuchsen- rings(Schnorrs Archiv XIV(1886) S. 147). Auf der Universität Straß- burg(?) gebildet, dann zum hessisch-darmstädtischen Hofrat ernannt, be- gleitete er im Herbst 1769 als zweiter Hofmeister den Erbprinzen Ludwig nach Leyden, England, Paris und in die Schweiz.(Erzieher des Erb- prinzen Ludwig und des Prinzen Georg war Christian Friedrich Petersen, Georg Wilhelm P.s(1744—1816) jüngerer Bruder, auf Pfeffels Vorschlag geworden. Georg Wilhelm unterrichtete die jüngsten Söhne Ludwigs IX., Friedrich und Christian, die er 1774 nach Straßburg begleitete. S. unten S. 32, 59). Später machte L. weite Reisen auf eigene Faust. Er kam mit Goethe, Lessing, Wieland, S. v. La Roche, Merck, Karoline Flachsland, Lavater, F. H. und J. G. Jacobi, Herder u. a. in Berührung, die aber fast sämtlich bald mit ihm brachen, weil ihm niemand traute. Er führte einen regen Briefwechsel mit aller Welt; seine Schatulle war berühmt, (Vgl. über diese Sitte der Zeit Goethe, Dichtung und Wahrheit 13, Dr.]. Froitzheim, Lenz und Goethe S. 2 f.) Er begründete das von den Zeit- genossen sehr geschätzte„Journal de lecture ou choix periodique de litterature et de morale‘“(36 Hefte. Paris 1775—79). Im Jahre 1782 kam er nach Berlin, wo er eine Zeitlang(1784) Instruktor des Kronprinzen (Friedrich Wilhelm III.) war. Er wurde mit Nicolai, Biester und Mendels- sohn sehr genau bekannt. Hier blieb L. über ein Jahr, wollte ‚mit Gewalt“(F. H. Jacobis Briefwechsel I 399) die Tochter des jüdischen Geheimrates Ephraim heiraten, worüber er mit Mendelssohn zerfiel, kam später wieder und entzweite sich mit Nicolai, um sich bald wieder mit ihm auszusöhnen. Mit der geistreichen Hofdame Fräulein v. Bielefeld unglücklich verheiratet, verließ L. dann Deutschland und lebte seit 1792 kümmerlich in Paris, wo er anfangs Februar 1827 starb. Vgl. K. Goedeke, Grundriß IV 12 304f. F. H. Jacobi sagt von ihm in einem Brief an Garve (Briefwechsel I S. 401):„Er ist ein Mann von sehr vielem Geiste, aber beständig mit einer oder der anderen Grille bis zur Schwärmerei be- haftet.“ S. auch R. Zoeppritz, Aus F. H. Jacobis Nachlaß I 34 ff. 77, 83, 143. Goethe hat ihn in dem Fastnachtsspiel„Pater Brey‘“ auf das treueste gezeichnet:
Er will überall Berg und Tal vergleichen, Alles Rauhe mit Gips und Kalk verstreichen— oder derber im ‚„Jahrmarktsfest zu Plundersweilern‘“: Möcht all sie gern modifizieren, Die Schwein zu Lämmern rektifizieren.


