Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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Leuchsenring 11

Jugendfreund Scharffenstein in seinenErinnerungen! ge- schilderten Verhältnisse des Stuttgarter Junggesellenheims am Kleinen Graben. Zum Teil mag auch in Ranks Bericht das Derainsche Mobiliar mitaufgezählt sein; sicherlich ist es nicht die Einrichtung des Fremdenzimmers im Viehhof. Heute erscheint es fast als verlorne Liebesmüh im alten Viehhof nach Schiller- reliquien zu suchen?. Außer einem übel mitgenommenen Empire- spiegel, den der Dichter schwerlich benützt haben kann, ist an Er- innerungsgegenständen nichts vorhanden, was mit Schillers An- wesenheit in begründeten Zusammenhang gebracht werden könnte. Wohl hat die pietätvolle Nachwelt das historische Eckzimmer wiederholt mit Schillerbildnissen geschmückt; allein auch dabei mutet man unserem Glauben eine starke Probe zu. Eine am 10. November 1859 dahin geschenkte Lithographie(Chr. Bach- L. Bisch) trägt auf der Rückseite folgende Widmung:Friedrich

1 Siehe jetzt bei J, Hartmann, Schillers Jugendfreunde, S. 153:Nach und nach fing der Meteor% Schiller) am literarischen Himmel zu zündeln an. Ich erinnere mich, daß einige reisende(nicht vagierende) bel esprits in schöner Equipage vor das(Quartier angefahren kamen, zum Beispiel Leuchsenring u. s. w. So schmeichelhaft ein solcher Zuspruch nach- her dünkte, war er doch im ersten Augenblick nicht sehr erbaulich, cenn man befand sich in dem größten, nichts weniger als eleganten Neglige, in einem nach Taback und sonsten stinkenden Loche, wo außer einem großen Tisch, zwei Bänken und einer an der Wand hängenden schmalen Garderobe, angestrichenen Hosen u. s. w. nichts anzutreffen war, als ineinem Eck ganze Ballen derRäuber, in dem anderen ein Haufen Erdbirnen mit leeren Tellern, Bouteillen u. s. w. untereinander. Man erkennt leicht die Ranksche Vorlage. Heute noch in Oggersheim lebendige Überlieferung macht den Dr.Peter Schmidt so habe sich Schiller genannt und Streicher- Wolf gar zu Kartoffeldieben, die sich ihren Mundvorrat in der Dämmerung auf den Oggersheimer Feldern zusammengestohlen hätten. Vgl. meinen FeuilletonaufsatzSchiller und Oggersheim in derPfälzischen Rund- schau 1905, 10. März. Mannheimer Geschichtsblätter VI(1905) Sp. 127.

2 Schon 1856 heißt es imMorgenblatt S. 859(C. v. Wurzbachs Schillerbuch Marg. 2570):,Da(im Viehhof) ist indeß keine Spur mehr von der ehemaligen Einrichtung, kein Gegenstand, der an den großen Dichter erinnerte. Von der Familie Schick(s. unten S. 21) wohnt niemand mehr in Oggersheim; dessen Tochter, eine Witwe Schumann, aber lebt noch in Germersheim und bewahrt als einzige Reliquie von Schiller ein blaues Bändchen. Nach einer späteren Notiz im Morgenblatt (1856 S. 1152) wurde dieses Bändchen der älteren Schwester jener Frau Schumann von einem Gang nach Frankenthal mitgebracht und soll so geschmacklos gewesen sein, daß man sich höchlich darüber wunderte, wie ein so ästhetisch gebildeter Mann, ein so großer Dichter, ein der- artiges Geschenk kaufen konnte.(!) Daß es im Viehhof so ausgesehen, wie Rank mitgeteilt, dagegen legte Frau Schumann energisch Ver- wahrung ein.