Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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10 Schillerreliquien

türe selbst gelangt man auf einer steinernen Doppeltreppe. Dieses bescheidene Haus, mit vier Fenstern in der Fronte und einigen Dachstübchen über dem einen Stockwerke, wird als dasjenige ge- nannt, wo Schiller im Jahre 1782 sieben Wochen lang(Oktober November) als Flüchtling gelebt hat, weil er sich in Mannheim nicht sicher glaubte.

Nach Rank war 1856 das Zimmer noch vorhanden, über dessen Einrichtung zu Schillers Tagen er Rührendes zu berichten weiß:die Wand dieser Stube war weiß angestrichen und einige zerbrochene Fensterscheiben mußten durch Papierbogen ersetzt werden; auf diesen Bogen las man den Entwurf zu einem neuen Trauerspiel:Luise Millerin. Rechnete man das große Bett und den mächtigen Kachelofen ab, neben welchem einige Ballen der Räuber aufgestapelt lagen, außerdem einen großen Haufen Kar- toffeln, welche den Freunden abends zur Hauptnahrung dienten, so blieb nur wenig Raum mehr übrig für das andere Zimmergeräte, das aus einem Tischund zwei Stühlen bestand. Der Stuhl des Dichters hatte keine Lehne, dem Tisch fehlten zwei Beine, sodaß er mit Klammern an der Wand befestigt werden mußte.Auf einem morschen Wandbrette befanden sich Bücher von den ver- schiedensten Formaten, eine Erd- und eine Himmelskugel,' ein Bierglas, ein gipsener Cicero, dem die Nase fehlte; die Unordnung, die sonst in diesem Zimmer herrschte, soll alle Vorstellung über- treffen. Soweit Rank, dessen Schilderung trotz Korrektur im Morgenblatt(Stuttgart 1856 S. 859) und im Mannheimer Unter- haltungsblatt(Beilage zum Mannheimer Journal) 1856 Nr. 189° schon bald darnach(1859) in Johannes ScherrsSchiller und seine Zeit II S. 11f. wiederklingt und inzwischen wohl in manche andere Schillerbiographie Eingang gefunden hat. Und doch sind Ranks scheinbar verbürgte Angaben zum größten Teil nichts anderes als eine stark übertriebene Wiedergabe der von Schillers

! Von diesen beiden Globen wohl berichtetDas Schillerbuch von C. v. Wurzbach(Wien 1859) unter Marg. 2613:Als Schiller in Oggersheim als Flüchtling lebte, befand sich im Häuschen, das er be- wohnte, ein Erd- und Himmelsglobus. Diese beiden Globen waren im Besitz des K. bair. Notars Heuck zu Landau. Rank, dem Verfasser derSchiller-Häuser, ist es gelungen, einen dieser Globen, die Himmelskugel, für das Schiller--Haus in Weimar zu erwerben und als Neujahrsgeschenk dahin abzusenden. Herr Heuck weihte das schätzbare Besitztum unentgeltlich dem Andenken des großen Dichters.(Didaskalia, Frankfurter Unterhaltungsblatt 1857 Nr. 5.)