Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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8 Derainsches Haus

S. 58,ein Häuschen, im Hintergrunde gelegen. Schiller be- wohnte und weihte es. In diesem ländlichen Aufenthalte

Begrüßete Fiescos Muse ihn,

\ Bali war sein Flug gewaltig adlerkühn,

Und höher stets, mit immer stärkern Schwingen,

Saht ihr ihn durch des Aethers Räume dringen,

Bis er zuletzt in des Olympos Chor

Mit Thekla und Johanna sich verlor!!

Auch S. F. Gehres, Versuch einer Geschichte von Oggers- heim(Mannheim 1831) S. 24 spricht vondem niedlichen Bauern- häuschen, welches an der Straße nach Frankenthal wenig seit- wärts lag und von Schiller einst bewohnt ward. Beide irren.

Es ist indes leicht zu erklären, wie diese falsche Überlieferung entstand. Das von Pauli und Gehres genannte Häuschen ge- hörte nämlich dem.Oggersheimer Kaufmann Derain, jenem Be- kannten Schillers, von dem wir unten S. 18 ff. Näheres hören werden. Daß er, wie es tatsächlich der Fall war, viel mit Schiller verkehrte, erzählte man nicht bloß lange nachher in Oggersheim sondern bestätigten auch Schillers Briefe und das 1836 erschienene Buch Streichers; der persönliche Verkehr Schillers mit diesem Oggers- heimer Original.der Humanitätszeit haftete also jedenfalls tiefer in der Lokaltradition als der Fremdenaufenthalt in dem schon ziemlich bald nach Schillers Zeit eingegangenen Viehhof. So bedurfte es einer Richtigstellung der falsch überlieferten Tatsachen, die denn auch K. Geib in seinemReise-Handbuch durch alle Theile der Königl. Bayerischen Pfalz in localer und historischer Beziehung bietet. Er schreibt S. 143 seines im Jahre 1841 erschienenen Werkes über Schiller:Er wohnte in dem Gasthofe zum Viehhofe, und nicht, wie gewöhnlich behauptet wird, in dem Hause des jetzt verstorbenen Hrn. Derhein,? welches in der Vorstadt gegen Franken- thal liegt. Aber er stand. mit diesem gemütlichen Manne, der damals noch im Städtchen wohnte und erst späterhin jenes länd-

! Das Büchlein atmet auch sonst in Zitaten und poetischen Ver- suchen des Verfassers vielfach Schillerschen Geist, in einer Zeit, die bei der herrschenden Strömung der Romantik Schiller entschieden feindlich gesinnt war. S. S. 31, 32, 45, 64, 92. S. unten$. 60.

;? Schiller und Streicher schreiben Derain, nach ihnen so alle Biographien bis auf E. Palleske- H. Fischer I1? 210, der neben Derain Derheim bietet. Gehres a a. O. 24 hat De Rhein, der Oggers- heimer Sterbeakt(1813 Nr. 26) dagegen Derhin. Vgl. dazu Dr. Ph. Keiper, Der Familienname Derain(Pfälzisches Museum XXIII(1906) 12.)