Viehhof 7
hielt die fromme Kurfürstin Elisabetha Augusta, Karl Theodors Gemahlin, Sommerresidenz und erfreute sich an der Nähe der Loretokapelle, um deren Wachstum sie eifrig besorgt war. Fromme Äußerungen der katholischen Religion traten in den weit mehr noch als heute die Straßen um Oggersheim schmückenden Heiligen- statuen dem Dichter hier, zum ersten Mal seit seiner Kindheit zu Gmünd und Lorch, wieder lebhaft vor die Sinne, er konnte eifrige Pilger zur heiligen Kapelle wallfahren sehen und wahrnehmen, wie die Kapuzinerpatres ihres Seelsorgeramtes walteten.'
Noch heute steht aus jenen Tagen das stattliche, zweistöckige Gebäude, wenn auch nicht mehr als Gasthof, vor uns wie zu Schillers Zeiten. Es ist an der früheren Speyerer- und heutigen Schillerstraße(seit 1859) als Haus Nr. 6 gelegen und im Besitze des Altbürgermeisters Ph. Götz. Links von dem Tore lag das Wirtszimmer, das Eckzimmer mit den beiden Fenstern(über der Denktafel) diente den Freunden zur Wohnung.?
Die Denktafel, die seit dem Jahre 1856 das Schillerhaus schmückt, wird ihm hoffentlich recht lange ein Ausweis über seine Echtheit sein. In früherer Zeit genoß es nämlich seinen Ruhm nicht unumstritten. Vermutlich da das Gasthaus zum Viehhof schon im Anfang des 19. Jahrhunderts einging, gelang es einem anderen Hause ihm den Rang abzulaufen und viele Jahre als Schillerhaus zu gelten. So erwähnt P. A. Pauli in seinem ver- dienstvollen„Gemälde von Rheinbaiern“(Frankenthal 1817) — zuerst, soweit ich sehe,— Schillers angebliches Heim in Oggersheim.„Gen Frankenthal gewahrt man,“ so schreibt er
vorstellend. L’Electeur en Mars, elle en Minerve. Die Churfürstin liebt diesen Ort ungemein und fahrt auch im Winter oft hinaus. Der Garten ist unbeträchtlich.‘““ Karl Obser, Aufzeichnungen des Staatskanzlers Fürsten von Hardenberg über seinen Aufenthalt am Oberrhein im Jahre 1772. (Zs. f. d. Geschichte des Oberrheins N. F. XXII(1907) S. 166). Eine historische Skizze über das Städtchen Oggersheim findet sich in M. Saphirs„Humorist‘“ 1858 Nr. 128(Wurzbach, Schillerbuch M. 2571).
ı„Es geschehen jährlich, auf die drey vornehmste Marientäge, auch von den entlegensten Orten der Catholiken, sehr starke Wallfahrten dahin. Von der Mannheimer Brücke bis an diesen Ort ist eine schöne Baumallee angelegt worden.‘
Rheinischer Antiquarius etc. von Johann Hermann Dielhelm, Frankfurt und Leipzig 1776, S. 521.
. 2? Wir freuen uns das Haus so im Bilde verewigt zu, haben, wie es sich 1905 noch präsentierte. Heute hat es durch zwei Läden im Erdgeschoß und Aushängschilder nicht gerade gewonnen.


