Aufsatz 
Beiträge zur Heimatkunde der Pfalz : 1. Teil. Schiller und die Pfalz / von Albert Becker
Entstehung
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6 Oggersheim Schillerhäuser

aus Oggersheim'(Anhang VI) mit ihrem z. T. erdichteten Inhalt die einzige und darum nicht genug schätzbare Quelle für dieses literar- historisch so interessante Stück unserer pfälzischen Geschichte. Durch Heranziehung unserer Heimatliteratur hoffen wir das von Streicher gezeichnete und in seinen Hauptlinien wohlbekannte Bild um manche Einzelheiten zu bereichern.

1. Oggersheimer Schillerhäuser

Nach Streichers und Schillers eigenem Zeugnis wohnte das Freundespaar während seines Oggersheimer Aufenthaltes im Viehhof, dem besuchtesten Gasthaus im damaligen Oggersheim. Er lag gegenüber der Post, wo ein lebhaftes Treiben der Reisenden Tag für Tag sich erneute; war doch Oggersheim vor der Gründung von Ludwigshafen a. Rh. ein Mittelpunkt des Verkehrs zu beiden Seiten des Rheins, ein Knotenpunkt für die in die Kurpfalz und ins Elsaß Reisenden. So kreuzte die alte Rheinstrasse(Basel Nymwegen) die nicht minder wichtige Straße vom Rhein nach der Mosel u.a. Siehe P. A. Pauli, Gemälde von Rheinbaiern(Franken- thal 1817) S. 131 f. Von Mannheim wie von Heidelberg ward es? der Überlieferung nach? häufig auch zum Vergnügen besucht; gar oft erfüllten die Studenten das Städtchen mit ungemessener Lustigkeit; am Eingang aber von Oggersheim, in dem Schloß mit prunkvoller Innenausstattung? und seiner blühenden Orangerie,

ı F. Jonas, Schillers Briefe Band I Nr. 37, 38, 39, 40. Von diesen vier in Oggersheim geschriebenen Briefen ist nur Nr. 40(An Heribert von Dalberg) mitOggersheim(d. 16. Nov. 1782) signiert; die übrigen(An Jungfer Christophine Schillerin(Nr. 37, 39), Dr. v. Jakobi) weisen fingierte Orte auf und suchen in der Heimat den An- schein zu erwecken als gehe es Schiller recht gut und reise er noch besserer Zukunft in Berlin oder gar Petersburg entgegen. Über die Ähn- lichkeit, die der Flüchtling Schiller hier mit Christian Friedrich SchwansGeschichte zeigt, vgl. J. Minor, Christian Friedrich Schwan in Preuß. Jahrb. LXX(1892) S. 539.

2 Vgl.©. Brahm, Schiller I(Berlin 1888) S. 219. Gleichzeitige Schilderungen von W. Heinse, S. S.(Leipzig 1857) V? 205 und Fr. Matthisson, Erinnerungen II 10ff.

3Der Churfürstin Schloß zu Oggersheim ist ungemein schön und sehr reich meubliret. Sie kann darauf soviel wenden, als sie will; die Kammer muß es bezahlen. Ehedem war es ein Landhaus des Prinzen Friedrich von Zweibrücken und die Churfürstin hat es von dem Prinzen Carl gekauft. Schönes Cabinet von Vieux Lacq. Ein anderes von Lacg- rouge.-Cabinet de marbre mit Nischen und Statuen& lantique, die Familie