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Dio 55, 1:„Druſus fiel im Jahre 9 in's Gebiet der Catten ein l εέιι τνς Soνυ— Bis 100†19«. Von dort zog er in's Cheruskerland, überſchritt die Weſer und drang bis zur Elbe vor. Er wollte auch dieſe überſchreiten, konnte es aber nicht, ſondern errichtete Sieges⸗ zeichen und zog ab; denn ein Weib ſchreckte ihn. Auf dem Rückzuge ward er krank und ſtarb.
Außer dieſen dürftigen Nachrichten Dios haben wir eine kurze zuſammengeworfene Nach⸗ richt bei Florus IV, 12 und Oroſius VI, 21. Beide faſſen die Züge des Druſus zuſammen und ſprechen von einer Vereinigung der Cherusker, Sueven und Sigambern, die Druſus voll⸗ ſtändig beſiegte; die Cherusker hätten ſich nach Florus die Pferde, die Sueven das Gold und Silber, die Sigambern die Gefangenen von der Beute vorbehalten. Dieſe Nachricht mag Florus aus Livius geſchöpft haben; aber es kommt darauf an, in welchem Jahre dieſe Ver⸗ einigung ſtattgefunden hat. Nun nehmen die neuern Bearbeiter ſchon das zweite Jahr 11 v. Chr. als dasjenige an, in welchem die Sueven in der Nähe von Aliſo dem Druſus entgegenge⸗ treten ſeien. Dafür haben wir aber gar keinen Anhalt. Dio erwähnt dort keine Sueven; auch Livius epit. 138 nennt für dieſes Jahr nur die Cherusker, Tencteren, Catten aliaeque Germanorum trans Rhenum gentes subactae a Druso. Wenn Sueven dabei betheiligt ge⸗ weſen wären, hätte ſelbſt der Epitomator dieſen bekannten Namen nicht ausgelaſſen, zumal er die damals weniger bekannten Cherusker nennt vgl. Strabo VII, 1, 3. Wenn die Sueven ferner auf dem zweiten Zuge ſich das Silber und Gold ausbedungen hätten, ſo hätten ſie ſicherlich wenig bekommen. Denn als Druſus ſein Heer in ganz unbekannte Gegenden bis an die Weſer führte, wurde ſicherlich wenig Silber und Gold mitgenommen. Ganz anders aber ſtellt ſich die Sache, wenn wir das Bündniß zwiſchen Sueven und Sigambern erſt für das dritte Kriegsjahr des Druſus ann. 10 annehmen. Der allgemeine Ausdruck Germanen bei Livius epit. 139— 140 und Dio l. c. widerſpricht hier nicht. Und wenn wir den Bericht Dios leſen, müſſen wir uns zwei Fragen ſtellen. 1) Weshalb greift Druſus anno 10 die Catten in der Nähe von Mainz an und läßt Aliſo ganz unberückſichtigt? 2) Weshalb iſt Auguſtus im Jahre 10 in Gallien 1078 Kelroig(Germanen) εοεσωυν
Luden wundert ſich, daß Druſus nicht ann. 11 die abtrünnigen Catten unterſtützend in deren Land eingedrungen iſt nnd ſich mit ihnen vereint den Sigambern entgegengeſtellt hat. Man könnte dieſen Fehler des Druſus gar nicht begreifen, wenn die Straße zu den Catten frei geweſen wäre. Das war ſie aber nicht; denn bei dieſem Zuge mußte er durch ſueviſches Gebiet; er hätte alſo die Sueven gereizt, und das wollte er nicht. Als er aber gegen Ende des Jahres 11 durch die Anlegung des Caſtels Aliſo mitten im Iſtävonenlande einen feſten Punkt gegen dieſe Völker gewonnen hatte, wollte er die günſtige Gelegenheit, mit Hülfe der Mattiacer und vielleicht aller Catten auch am untern Main feſten Fuß zu faſſen, nicht vorüber gehen laſſen, ſelbſt auf die Gefahr hin eines Krieges mit den Sueven. Hier zeigt ſich der entſchloſſene und kluge Feldherr. Er legt die Saalburg bei Homburg an auf ſueviſchem Gebiete, um den römiſch geſinnten Catten näher zu ſein. Die Anlage dieſes Ca⸗ ſtels auf dem Taunus aber, ſowie die Niederlaſſung der Mattiacer in dieſer Gegend brachte die Sueven unter die Waffen. Dasjenige, was ſchon Cäſar und nach ihm Auguſtus auf jeden Fall verhindern wollte, eine Vereinigung der Sigambern und Sueven, ſcheint Druſus veran⸗ laßt zu haben, einen günſtigen Augenblick benutzend. Aber das ganze Volk der Catten, die Mattiacer eingeſchloſſen, fällt von den Römern ab(Dio 54, 36), und die ganze vereinte Macht der Iſtävonen dieſſeits des Rheins und der Sueven rückt gegen das Taunuscaſtel und Mainz heran im Anfange des Jahres 10 v. Chr. Dieſe Vereinigung kann die Deutſchen
übermüthig gemacht haben, ſo daß ſie ſchon wegen der Beute unter ſich unterhandeln; in dieſen 3


