9— ſondern die Iſtävonen, zu denen die Ubier gehörten, die Hülfe zugeſagt hätten. Und Cäſar war zu dieſer Annahme berechtigt, weil er nach der Beſiegung des Arioviſt die Sueven ganz in Ruhe gelaſſen hatte, und anderntheils die zunächſt wohnenden Sueven die Hülfe ja ver⸗ weigert hatten. Dieſe Angabe Cäſars VI, 2 ſteht alſo in direktem Widerſpruche mit dem Be⸗ richte der Ubier, oder wir müßten an die Sueven denken, die an der Elbe und Saale in ihren Stammſitzen geblieben ſind und dort durch den Harz von den Cheruskern getrennt ſind, vgl. VI, 10. Daß aber Cäſar gegen dieſe nicht zu Felde ziehen konnte und wollte, liegt auf der Hand. Er, der in der Gegend von Neuwied, der wahrſcheinlichen Grenze der Ubier und Sueven, über den Rhein geſetzt war, blieb einige Tage im Lande der Ubier, hatte gar keinen Grund, die Rheinſueven anzugreifen, und wollte dieſes auch nicht, weil dieſe dann ſicherlich ſpäter den Galliern, insbeſondere den Trevirern Hülfe gegen die Römer geleiſtet hätten. Das ganze Geſchwätz der Ubier muß den Rückzug Cäſars rechtfertigen; er konnte entweder nicht erfahren, wer die Hülfe zugeſagt hatte, oder er konnte, was wahrſcheinlicher iſt, dieſen Feinden wegen der Entfernung und wegen der Vodenverhältniſſe nicht beikommen; die Ubier nannten aber die Sueven, weil das ihre Feinde und Dränger waren.— Cäſar will nach dem erfolg⸗ loſen Uebergange über den Rhein ſeinen Muth kühlen an dem Eburonenfürſten Ambiorix, der die ein und eine halbe Legion vernichtet hatte. Ambiorix ſelbſt entkommt, das Land wird furchtbar verwüſtet; aber 2000 Sigambern ſpielen dem Cäſar einen unangenehmen Streich, indem ſie den Cicero und die vierzehnte Legion plötzlich angreifen, ſchwer heimſuchen und dann mit ihrer Beute aus dem Eburonenland über den Rhein heimkehren. Cäſ. VI, 35— 41.
Im Jahre 52 brach der allgemeine Aufſtand der Gallier unter Vercingetorix aus. Die Germanen hielten ſich ruhig; ja germaniſche Reiter, 400 an der Zahl, dienten im Heere Cä⸗ ſars ogl. VII, 13. Im Laufe des Krieges aber zog er noch mehr germaniſche Hülfstruppen an ſich vgl. VII, 65: Caesar trans Rhenum mittit ad eas civitates, quas superioribus annis pacaverat, equitesque ab his arcessit et levis armaturae pedites, qui inter eos proeliari con- suerant. Und dieſe Hülfstruppen haben zur Entſcheidung des Krieges weſentlich beigetragen ogl. VII, 67. 70. 80. Noch mehr! Die Trevirer nehmen an dieſem allgemeinen Aufſtande der Gallier keinen Antheil, quod aberant longius et ab Germanis premebantur, quae fuit causa, quare toto abessent bello et neutris auxilia mitterent. VII, 63. Nach allem Geſagten kann Cäſar nur die Rheinſueven an ſich gezogen haben, die in der Nähe der Trevirer wohnten; er muß ſie derart gewonnen haben, daß ſie ſogar eine drohende Stellung gegen die Trevirer an⸗ nahmen.
Im Jahre 51 hatte Cäſar auch Germanen in ſeinem Heere ogl. b. G. VIII, 13. 36. Aber auch der Atrebate Commius, welcher die galliſche Empörung in Belgien leitete, wollte Germanen gewinnen und zwar die, quorum et vicinitas propinqua et multitudo esset infinita VIII, 7. Er brachte aber nur 500 germaniſche Reiter; dennoch machte es die Belgier ſtolz, daß Germanen zu ihnen ſtießen, vgl. VIII, 10. Dieſe Germanen ſcheinen iſtävoniſchen Stammes geweſen zu ſein; denn Commius floh auch nach der Niederwerfung des Aufſtandes zu den Germanen jenſeits des Rheines, hier ſicherlich des Niederrheines, weil dieſer ihm am nächſten war. Die Germanen hatten aber nicht mehr Hülfe geſchickt, weil die Niederwerfung des Aufſtandes des Vercingetorix ſie zurückſchreckte. Dann wurde nach b. G. VIII, 24, nochmals das Eburonenland verwüſtet von den Römern, ohne daß Ambiorix gefangen wurde, und Labienus zog in's Gebiet der Trevirer, die nur gezwungen gehorchten, VIII, 25. Der römiſche Legat brachte ſie zum Gehorſam compluribus Treviris interfectis et Germanis, qui nullis adversus Romanos auxilia denegabant VIII, 45. Auch dieſe können nach dem Vorher⸗
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