Aufsatz 
Die Sueven
Entstehung
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ſuchen nach Cäſar IV, 1 u. 4. Alſo ſind ſie aufgebrochen anno 58 d. h. in dem Jahre als Cäſar den Arioviſt ſchlug. Wenn nun die Trevirer bei Cäfar I, 37 melden, daß 100 Gaue der Sueven unter Naſua und Cimberius ihnen gegenüber angekommen ſeien, ſo ſind wohl die Uſipeter und Tencteren aus dem Lande, welches den Trevirern gegenüber lag, vertrieben wor⸗ den, d. h. aus dem Taunus und Weſterwald, zumal noch einige alte Namen dafür zu ſprechen ſcheinen. Bgl. Watterich l. c. S. 77. 78. und Schliephake, Geſchichte von Naſſau I, S. 14. Durch die Eroberung dieſes Landes waren jene Sueven, die wir Rheinſueven nennen wollen, Grenznachbarn der Ubier geworden. Auf die Nachricht von dem Kriege des Cäſar und Arioviſt, der nur zu raſch die Kunde von der Niederlage der Germanen folgte, zogen ſich dieſe Sueven zurück, und dieſes Zurückgehen mögen die Ubier benutzt haben, um ſich an einzelnen Scharen zu rächen vgl. Cäſar I, 54. Als aber Cäſar die Sueven nicht weiter angriff, vielleicht eben wegen dieſer Concentrirung der ſueviſchen Macht, da wandten ſich dieſe Rheinſueven mit um ſo größerer Kraft gegen die Ubier, weil ihnen der Weg nach Gallien verſperrt war. Darum ſagt Cäſar IV, 3, die Sueven hätten ihr descrtum bis zu den Ubiern ausgedehnt, und ob⸗ gleich ſie die Ubier nicht vertrieben hätten, ſo hätten ſie dieſelben doch zinspflichtig gemacht und ihre Macht geſchmälert. Ob die Ubier auch Land eingebüßt haben, iſt aus dieſer Stelle nicht klar zu entnehmen. Wo die Grenze zwiſchen Ubiern und Rheinſueven geweſen iſt, kann man nur im Allgemeinen aus den Rheinübergängen Cäſars und der Sigambern b. G. VI, 35 ſchließen, und hier möchte ich mich für die Gegend von Neuwied entſcheiden. Im Rücken der Rheinſueven ſaßen die Catten bis zum Dillthal und Rothhaargebirge vgl. Watterich S. 36.

Die Uſipeter und Tencteren alſo hatten nach langjährigem Kampfe ihr Land vom untern Main bis zur Wied verlaſſen. In dieſem Kampfe mögen ſie von dem ganzen iſtävoniſchen Stamme, zu dem ſie ja gehörten, insbeſondere von den Sigambern und den Catten unter⸗ ſtützt worden ſein. Bei den häufigen Einfällen der mächtigen Sueven aber vgl. Cäſar IV, 1; VI, 23, leiden ſie als Grenznachbarn am meiſten, und deswegen wollen ſie aus der Nähe dieſer unruhigen und läſtigen Nachbarn fort, gerade wie die Helvetier aus dem Alpenlande. Sie ziehen durch das Gebiet des iſtävoniſchen Stammes drei Jahre lang, das beſte Zeug⸗ niß für die Exiſtenz und die Bedeutung des Stammes; und nach ihrer Niederlage durch Cä⸗ ſar werden die Ueberreſte eben auch von dieſem Stamme aufgenommen und ihnen Land an⸗ gewieſen auf dem rechten Ufer des Niederrheins.

Nach dem Abzuge der Uſipeter und Tencteren kommen die Ubier in dieſelbe Lage; ihre Ebene am Rhein iſt den Einfällen der Sueven offen. Um nun nicht das Schickſal der Uſipeter und Tencteren zu theilen, bitten ſie Cäſar um Hülfe. Dieſer ſchlug aber eben jene ausgewanderten Iſtävonen in Gallien und zwar in ſo gemeiner Weiſe(vgl. Cato's Rede im Senate), daß von einer Freundſchaft zwiſchen ihm und dem iſtävoniſchen Stamme keine Rede ſein konnte. Durch den Anſchluß an Cäſar zogen ſich die Ubier den Haß ihrer Stammesgenoſſen zu und wurden von ihnen im Stiche gelaſſen. So waren ſie von jetzt an nur auf römiſche Hülfe den Sueven gegenüber angewieſen.

Cäſar zog noch in demſelben Jahre(55) über den Rhein und zwar gegen die Sigam⸗ bern, welche wegen der Niederlage der Uſipeter und Tencteren die Römer glühend haßten und angeblich gegen die Sueven, welche die Ubier bedrängen, vgl. IV, 16. Er rückte in das Land der Sigambern, welche ſich zurückzogen und eine Schlacht vermieden; die Sueven aber ließ er unberührt, weil ſie, wie er ſagt, mitten in ihrem Lande die waffenfähige Mannſchaft verſammelt hatten IV, 19. Wenn Cäſar blos die Germanen ſchrecken und dadurch die Ubier ſtützen wollte, ſo hatte er ſeinen Zweck für den Augenblick erreicht. Vielleicht aber wollte er