Aufsatz 
Die Sueven
Entstehung
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Auch über Arioviſt ſagt er uns ſpäter außer der gelegentlichen Erwähnung V, 29 nichts. Das dort von allen Codices verbürgte mortem Ariovisti könnte im Munde eines römiſchen Legaten ſeinem Amtsgenoſſen gegenüber auch dahin gedeutet werden, daß durch den Tod des Arioviſt alle Verbindungen der Römer mit den Sueven aufgehoben ſeien; es ſei daher gar nicht unwahrſcheinlich, daß die Sueven jetzt ihre Niederlage rächen wollten und über den Rhein ſetzten. Cäſar hat mit Abſicht über ſeine Stellung zu den Sueven einen Schleier geworfen dieſen vollſtändig zu lüften, wird unmöglich gelingen.

Erwähnen müſſen wir aber noch, daß Arioviſt nach I, 53 zwei Gemahlinnen hatte, eine Suevin und eine Schweſter des noriſchen Königs Voccio, die ihm dieſer nach Gallien geſchickt hatte. Die Noricer kämpften gegen die Boier(I, 5) und ſind wahrſcheinlich von den ſieg⸗ reichen Sueven unterſtützt worden. Arioviſt mußte wenigſtens Einfluß haben auf die Sueven, welche die Nab entlang an die Donau und in die Alpen gezogen waren; ſonſt hätte Voccio ihm nicht die Schweſter nach Gallien geſchickt als zweite Gemahlin vergl. Tac. Germ. 18. Ariovift erſcheint alſo hier als ein ſehr angeſehener Fürſt der Sueven. Das große Anſehen deſſelben beweiſt auch der Umſtand, daß ſo viele Sueven über den Rhein ſetzten und ſeiner Fahne folgten. Rex Germanorum nennt ihn der Aeduer Divitiacus bei Cäſar I, 31. Cornelius Nepos berichtet bei Pompon. Mela III, 5 und Plinius h. n. II, 67, daß dem Quintus Metellus Celer Procon⸗ ſul von Gallien anno 62, von dem rex Sueborum Inder zum Geſchenk gemacht worden ſeien. Dieſer rex iſt wahrſcheinlich kein anderer geweſen als Arioviſt. Es ſteht uns alſo nichts im Wege, in dem Arioviſt einen König der Sueven zu erkennen, der zugleich Fürſt der Marco⸗ mannen iſt.

Denn von den Sueven, welche ausgewandert ſind, blieben die Triboccer, Nemeter und Vangionen, wie wir oben geſehen haben, auf der linken Rheinſeite um Straßburg, Speier und Worms. Die Marcomannen, Haruder und Seduſier aber, vergl. Cäſar I, 51, zogen mit dem Arioviſt über den Rhein zurück in das desertum Helvetiorum et Boioruam. Dort werden ſie in Verbindung mit andern ſueviſchen Schaaren das Wanderleben fortgeſetzt haben, wie es uns eben Cäſar IV, 13; VI, 22 ſchildert. In der folgenden Zeit werden wir aber ſehen, daß die Marcomannen, das Hauptvolk der ausgewanderten Sueven, am Main ſich feſtſetzten und hier die Verbindung aufrecht hielten zwiſchen den Rheinſueven und denen an der Elbe. Als Ver⸗ bindungsglied hatten die Marcomannen den größten Einfluß auf alle Suevenvölker; und es iſt gar nicht zuviel geſagt, wenn man behauptet, daß der ſo einflußreiche Arioviſt abſichtlich am Main ſich niedergelaſſen hat mit ſeinen Marcomannen, um von hier aus ſeinen Einfluß auf den ganzen ſueviſchen Stamm zu behaupten. Böhmen iſt wahrſcheinlich von dem ſueviſchen Volke den Quaden beſetzt. Denn Strabo VII, 1, 3 nennt als Bewohner Böhmens vor der Einwanderung Marbods 1 ½ν KO⁶⁴οαυ εεισυ. Ko⁷⁴οιν iſt aber wahrſcheinlich verſchrieben aus Koυαουνν, wie denn auch die meiſten Herausgeber leſen. Ferner finden wir nach der Einwanderung Marbods die Quaden neben den Marcomannen in dieſer Gegend vgl. Tac. Germ. 42. Daher möchte ich annehmen, daß bei dem fruchtbaren Boden und der geſchützten Lage Böhmens die Quaden gleich nach der Eroberung des Landes gegen das Jahr 60 v. Chr. ſich hier dauernd niedergelaſſen haben.

3. Cäſar und die Sueven am Mittelrhein.

Die Uſipeter und Tencteren, germaniſche Völker, wanderten aus, quod a Suebis complures annos exagitati bello premebantur et agricultura prohibebantur. Sie zogen drei Jahre in Germanien umher und überſchritten den Rhein anno 55 v. Chr., um ſich neue Wohnſitze zu