Aufsatz 
Die Sueven
Entstehung
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den Rhein hindere, würden auch ſie auswandern. Cäſar erkennt die Gefahr und will den Krieg. Er hatte bereits Gründe geſucht und Schritte gethan, um den Arioviſt zum Kriege zu zwingen(I, 33 36), da kommt die Kunde nach Gallien, daß 100 Gaue der Sueven unter Naſua und Cimberius am Rheine den Trevirern gegenüber angekommen ſeien I, 37. Wenn nicht ganz Gallien germaniſch werden ſoll, muß Cäſar den Arioviſt angreifen, ehe dieſe Scharen über den Rhein ſetzen. Daher bricht er ſofort auf und beſetzt Veſontio, die Haupt⸗ ſtadt der Sequaner. Das römiſche Heer murrt über dieſen vom Zaun gebrochenen Krieg und wird von Cäſar nur durch Liſt in's Feld geführt. Da Arioviſt nicht gerüſtet iſt, rückt der Römer noch ſieben Tagemärſche vor und trifft jenen wahrſcheinlich im obern Elſaß(bei Senn⸗ heim?) Arioviſt ſucht die Entſcheidung hinzuhalten, wird aber ſchließlich von Cäſar zur Schlacht gezwungen und gänzlich geſchlagen. Er ſelbſt flieht über den Rhein; Cäſar aber verfolgt die Feinde nicht weit und zieht ſich, obſchon es noch früh war, in die Winterquartiere im Ge⸗ biete der Sequaner zurück.

Daß Cäſar die Verfolgung nicht weit ausdehnt und ſchon früh die Winterquartiere be⸗ zieht, iſt um ſo auffälliger, als die Germanen nicht alle über den Rhein zurückgehen; viele derſelben bleiben vielmehr ganz ruhig im Elſaß und in der Pfalz wohnen. Denn als Krieger des Arioviſt werden I, 51 aufgeführt die Haruder, Marcomannen, Triboccer, Vangionen, Ne⸗ meter, Seduſier, Sueven. Ob letztere ein beſonderes Volk ſind, oder ob Cäſar mit dieſem Namen im Allgemeinen die andern ſueviſchen Völker, welche er nicht genau kennt, bezeichnet hat, iſt hier nicht zu erkennen. Letzeres aber iſt wohl anzunehmen, da ſie ſpäter niemals als ein beſonderes Volk von ihm genannt werden. Von jenen Völkern finden wir aber die Tri⸗ boccer nach IV, 10 noch am Rhein und ebenſo die Nemeter nach VI, 25. Die Triboccer, Ne⸗ meter und Vangionen bewohnen nach den ſpätern Geographen und nach Tacitus Germ. 28 das heutige Elſaß und die Pfalz, und ihre Hauptſtädte ſind Straßburg, Speier und Worms. Cäſar wagte es alſo nicht, dieſe echt germaniſchen Völker, welche ſchon vor 58 v. Chr. ſich hier niedergelaſſen hatten, anzugreifen. Ja wir finden in ſeinem ganzen Werke nirgends eine Spur, daß er ſelbſt oder einer ſeiner Legaten dieſe Völker unterworfen hat; er dehnte alſo ſein Gall ien hier nicht bis zum Rhein aus. Sein Plan war, Gallien zu erobern. Durch jenen Sieg über Arioviſt hatte er die Germanen am Vordringen in ſein Gallien gehindert; dadurch, daß er ſie jetzt in Ruhe ließ, gewann er freie Hand für die galliſchen Kriege. Dieſes war um ſo noth⸗ wendiger, als noch in demſelben Winter die Belgier, das kriegeriſcheſte Volk Galliens, ſich zum Kampfe gegen ihn rüſteten. Aber wie kam es, daß faſt alle Belgier, die nach dem Berichte Cäſars anſcheinend ohne Gefahr hätten ruhig bleiben können, ſo plötzlich die Waffen erhoben? Den Grund hiervon gibt uns Cäſar ebenſowenig an, als er vorher bemerkt hatte, daß jene ſueviſchen Völker auf dem linken Rheinufer ſitzen geblieben ſeien. Es iſt jedoch durchaus nicht unwahrſcheinlich, daß gerade das Benehmen Cäſars den beſiegten Sueven gegenüber und die Winterlager der Legionen an der Grenze der Belgier den Plan Cäſars, Gallien zu erobern, enthüllt haben. Ja es iſt gar nicht unmöglich, daß Cäſar nach ſeinem Siege mit den Sueven insbeſondere mit Arioviſt in Unterhandlungen getreten iſt, in Folge deren die Sueven das Elſaß bis zur Nahe behielten, aber andererſeits das Verſprechen abgaben, die Gallier nicht in ihrem Kampfe gegen Rom zu unterſtützen. Um ſo mehr dürfen wir dieſe Vermuthung aus⸗ ſprechen, als gerade die Sueven, wie wir ſehen werden, dieſes Verſprechen gehalten hätten. Cäſar aber hat alles dieſes verſchwiegen, um ſeinen Sieg in Rom um ſo herrlicher erſcheinen zu laſſen und ſeine Gegenpartei in Rom rückſichtlich ſeiner Pläne zu täuſchen.