Aufsatz 
Die Sueven
Entstehung
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oberung Böhmens durch die Sueven etwas vor Ankunft Cäſars in Gallien, alſo ungefähr in das Jahr 60 v. Chr. Vgl. Duncker origines Germanicae. Berlin, 1840 S. 112.

Die Boier zwiſchen Main und Donau entbehrten der natürlichen Schutzmauer; über ihre Vertreibung durch die Sueven iſt nichts näheres bekannt. Arioviſt ſagt nur im Allge⸗ meinen bei Cäſar b. G. I, 46, daß ſeine unbeſiegten Germanen 14 Jahre nicht unter Dach gekommen ſeien. Das Land der Boier wurde von den Sueven durchzogen, ohne daß ſie feſte Wohnſitze aufſchlugen. Der Acker bleibt Staatseigenthum; niemals verweilen ſie länger als ein Jahr an demſelben Platze vgl. Cäſar IV, 1; VI, 22. Durch dieſes Herumziehen wird das Land der Boier zwiſchen Main und Donau ein Deſertum. Vgl. Strabo VII, 1, 5. Plin. h. n. III, 24.

Das zweite Volk, worauf die ſiegreichen Sueven ſtießen, waren die Helvetier. Dieſe be⸗ wohnten nach Tacitus Germ. 28 früher auch das Land zwiſchen dem hercyniſchen Wald, (Schwarzwald, Odenwald), Main und Rhein, alſo das heutige Baden. Daß dieſelben vor der Ankunft Cäſars in Gallien fortwährend mit den Germanen gekämpft haben, ſagt Cäſar I, 1 u. 40. Der Hauptgrund, weshalb ſie auch das Alpenland zwiſchen Rhone, Rhein und Jura verlaſſen wollen, iſt eben der fortwährende Kampf gegen die Germanen. Denn ihr Gebiet von 48 geographiſchen Meilen Länge und 36 Meilen Breite(Cäſ. I, 2) iſt doch groß genug für 263,000 Seelen vgl. I, 29; von Uebervölkerung kann hier wenigſtens gar keine Rede ſein. Aber das von Cäſar angegebene Gebiet hat auch dieſe Ausdehnung gar nicht; die An⸗ gabe ſcheint auf die Zeit zu paſſen, in welcher die Helvetier auf dem rechten Ufer des Rheins noch viele Strecken bewohnt haben, aus denen ſie eben von den Germanen vertrieben waren. Beſtätigt wird dieſe Anſicht durch Caſſius Dio 38, 33, welcher ſagt, daß nach der Niederlage der Helvetier durch Cäſar ein Theil derſelben an den Rhein fliehen wollte ga.l ε9 1 dνια⁴ασσνOᷣνν Auch dieſes frühere Gebiet der Helvetier auf dem rechten Ufer des Rheins wird Deſertum wie das Land der Boier vgl. Ptolemäus II, 11, 10 1 ν½ð S1ouναι 20*μμοο μέιν ανν sεμαςρρωμιμνν tmιν ⁶οιιĩ.. Vgl. Cäſar IV, 3.

Durch die Vertreibung der Helvetier wurde der Oberrhein die Grenze der Sueven. Nicht lange nachher wurden dieſelben von den galliſchen Sequanern gegen die Aeduer zu Hülfe ge⸗ rufen, ſchlugen dieſelben vollſtändig, ſetzten ſich aber im heutigen Elſaß und in der Pfalz feſt. Wenn ſie wirklich ein Drittel des Sequanergebietes beſetzten(Cäſ. I, 31), ſo gehörte das Elſaß eben früher den Sequanern. Wann und unter welchem Anführer ſie zuerſt über den Rhein ſetzten und wie lange ſie nach der Niederlage der Aeduer hier ungeſtört gewohnt haben, iſt nirgends angegeben. Die leichte Eroberung dieſes Landes reizte die Sueven, und es zogen immer mehr über den Rhein. Die Gallier ſahen die Gefahr und vereinigten ſich gegen die Germanen. Arioviſt aber, der jetzt als Führer genannt wird, zog mit großer Macht gegen ſier heran und ſchlug bei Magetobria die vereinte Galliermacht blutig zurück. Die Aeduer und Sequaner müſſen Geiſeln ſtellen und Tribut bezahlen; die Römer, zu ſehr mit innern Ange⸗ legenheiten beſchäftigt, machen anno 59 unter Cäſars Conſulat den Arioviſt zum rex et amicus populi Romani(I, 35), vielleicht um denſelben dadurch von ihrer Provinz abzuhalten. Es ziehen immer mehr Sueven über den Rhein, ſo noch kurz vor der Ankunft Cäſars 24,000 Haruder, und Arioviſt fordert an der Spitze von 120,000 Germanen das zweite Drittel des Sequanergebietes(I, 31). Da kommt Cäſar nach Gallien anno 58, beſiegt die aus Furcht vor den Germanen auswandernden Helvetier und führt ſie in ihre alten Wohnſitze in der Schweiz zurück, damit hier ja nicht die Germanen Nachbarn der römiſchen Provinz würden. Jetzt er⸗ klären die galliſchen Fürſten dem Cäſar, wenn er nicht den Uebergang der Germanen über