Aufsatz 
Die Sueven
Entstehung
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weniger geſchloſſen entgegentreten. Die Uſipeter und Tencteren, die er bei ihrem Einfalle in Gallien kennen lernte, ſind deſſelben Stammes mit den Sigambern, da ſie ja in der ganzen folgenden Geſchichte immer vereint auftreten. Weil aber die Sigambern die Führer des gan⸗ zen iſtävoniſchen Stammes zur Zeit Cäſars bis auf Auguſtus ſind, ſo werden dieſe oft ſtatt des ganzen Stammes genannt. Daher dürfen wir bei dem Namen Sigambern nicht immer an die einzelne Völkerſchaft denken; ſondern oft iſt der ganze Stamm gemeint, zu welchem außer dieſen noch insbeſondere die Cherusker und Catten gehören.

Demnach bleiben uns als Hauptvölkerſchaften der Sueven nach der Germania des Tacitus übrig die Semnonen, die Langobarden, die Hermunduren, die Marcomannen, die Quaden und viele kleinere Völker. Dieſen gegenüber ſteht insbeſondere der iſtävoniſche Stamm, an deſſen Spitze erſt die Sigambern, dann die Cherusker, ſpäter die Catten ſtehen. Weniger greifen in die Geſchichte ein der ingävoniſche Stamm, aus dem die ſpätern Sachſen hervorgingen und der vandiliſche, deſſen mächtigſtes Volk bald die Gothen ſind.

Jeder dieſer Stämme bildete in der älteſten Zeit eine politiſche Einheit. An der Spitze der einzelnen Völkerſchaften ſtanden Fürſten, an der Spitze der mächtigſten Völkerſchaften und damit an der Spitze des ganzen Stammes ein König. Aus dieſer Erklärung geht ſchon her⸗ vor, daß die königliche Gewalt nicht abſolut war, daß der lateiniſche Ausdruck rex für einen deutſchen König ſtreng genommen nicht paßte. Die innern Verhältniſſe des Stammes, insbe⸗ ſondere die Bemühungen der Römer dieſe Stammesverbindungen zu löſen, werden wir in der Geſchichte ſelbſt kennen lernen.

2. Die Wanderung der Sueven. Arioviſt.

Als Stammſitz der Sueven iſt oben das mittlere Deutſchland zwiſchen Oder, Elbe und ſächſiſcher Saale angegeben. Dafür ſpricht das medii des Tacitus Germ. 2 und das medi- terranei des Plinius l. c. Auch werden die Semnonen, die wir noch nach der Wanderung der Sueven zwiſchen Elbe und Oder antreffen, von Tacitus Germ. 39 vetustissimii nobilissimique Sueborum genannt; dieſelben geben ſich für das Haupt der Sueven aus, und auch die Re⸗ ligion ſichert ihren Altersanſprüchen Glauben nach Tac. l. e.

Von hier wandert ein Theil des Stammes gegen das im Jahre 100 v. Chr. aus; denn Cäſar trifft anno 58 v. Chr. in Gallien Sueven, die ſchon vor langer Zeit aus unbekanntem Grunde aus der Heimat fortgezogen waren. Da die iſtävoniſchen Catten, welche bis in's Werrathal hineinreichten, vgl. Zeup die Deutſchen und die Nachbarſtämme S. 97 f., nicht aus ihren Wohnſitzen vertrieben worden ſind, ſo nahmen die auswandernden Sueven den Weg öſtlich von der Werra die ſächſiſche Saale entlang nach Süden, denſelben Weg, den auch kurz vorher die Cimbern gezogen waren. An der Quelle der Saale öffneten ſich ihnen drei Wege; der eine führte an die Eger, der andere an die Nab, der dritte an den Main. Das ganze ſüdliche Deutſchland aber, einſchließlich Böhmens, war bewohnt von celtiſchen Boiern, deren Einwanderung Cäſ. VI, 24; Livius V 34; Tac. Germ. 28 erwähnt. Schon die Cim⸗ bern hatten die Boier angegriffen, dieſelben aber aus dem heutigen Böhmen nicht vertreiben können nach Poſidonius bei Strabo VII, 2, 2. Auch jetzt ſcheinen die Boier ſich gegen den Angriff der auswandernden Sueven längere Zeit innerhalb des Ringwalls von Böhmen ge⸗ halten zu haben; vor der Ankunft Cäſars in Gallien aber ſind ſie aus dieſem Lande ver⸗ trieben; Cäſar wenigſtens kennt ſie hier nicht mehr. Vielleicht ſind die Noreja belagernden

Boier Cäſar b. G. I, 5 Ueberreſte dieſer aus Böhmen vertriebenen, und dann fiele die Er⸗ 1*