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außerhalb Deutſchlands an der untern Donau wohnte, und zeigt dadurch ganz deutlich, daß dieſe Eintheilung von den Römern gemacht iſt. Dieſelbe kann aber nur dann gemacht ſein, wenn ſie irgend welche praktiſche Bedeutung gehabt hat, wenn die Römer wirklich im eigentlichen Germanien zwiſchen Rhein und Weichſel vier verſchiedene Stämme angetroffen haben. Die Differenz zwiſchen der Mythologie und der Wirklichkeit zu Anfang unſerer Zeitrechnung mag daher rühren, daß die Germanen am Rhein alle öſtlichen Germanen Herminonen nannten, zu⸗ mal der Stamm der Vandilen durch die Sueven gänzlich von den beiden übrigen Stämmen getrennt war; auch konnte im Laufe der Zeit durch Wanderungen u. dgl. eine Theilung des Stammes der Herminonen in Sueven und Vandilen ſtattgefunden haben. Genug, als die Römer bis an die Elbe vordrangen und Erkundigungen über die öſtlichſten Germanen einzogen, fanden ſie, daß dieſe Völkerſchaften in zwei Stämme zerfielen, wenn wir wollen in Her⸗ minones Suevi und Herminones Vandili. Da die Römer nicht über die Elbe gezogen ſind, ſo bleibt die Kenntniß dieſer Vandilen ſehr mangelhaft. Dasjenige, was uns Tacitus Germ. 43 von den Ligiern und Gothen berichtet, zeigt deutlich genug, daß ſie in der Verfaſſung von den Sueven verſchieden waren. Ferner treten ungefähr 100 Jahre nach Tacitus in Germanien vier große Völkervereine auf, welche jedenfalls nicht durch Zufall aus dem Boden gewachſen ſind. Deßwegen müſſen wir geſchichtlich die Viertheilung feſthalten und unterſcheiden im eigentlichen Germanien die Ingävo nen, Iſtävonen, Sueven(Herminonen) und die Vandilen. Von dieſen Stämmen wohnen in der Mitte von Deutſchland zwiſchen Elbe, ſächſiſcher Saale und Oder die Sueven. Dieſelben zerfallen wieder in mehrere Völkerſchaften, die freilich bei verſchiedenen Schriftſtellern verſchieden angegeben werden. Nach Abzug der Vandilen(Germ. c. 43) folgen wir dem Tacitus, der ſie ja in ſeiner Germania noch als einen großen Stamm behandelt. Zunächſt iſt hier aber eine Unrichtigkeit des Plinius l. c. zurückzuweiſen. Der⸗ ſelbe rechnet dort die Catten und Cherusker mit den Sueven und Hermunduren zu den Her⸗ minonen. Die Hermunduren bilden aber nach Tacit. Germ. 41 einen Theil der Sueven. Pli⸗ nius gebraucht hier, wie auch andere Schriftſteller, Suevi⸗Marcomanni. Dieſe gehören nach Germ. 42 zu den Sueven; in der erſten geſchichtlichen Zeit bilden ſie gerade das Haupt⸗ volk der Sueven; die Hermunduren haben ſich aber mit römiſcher Hülfe vom Sueven⸗ verbande losgeriſſen; daher hat Plinius beide Völker neben einander geſtellt. Anders verhält es ſich mit den Catten und Cheruskern. Dieſe werden von Tacitus Germ. 38 ausdrücklich nicht zu dem ſueviſchen Stamm gerechnet. Die Entſcheidung, wer von den beiden Schriftſtel⸗ lern Recht hat, muß uns die Geſchichte des Stammes liefern, und dieſe Geſchichte wird nur dann klar, wenn wir dem bewährten Tacitus folgen. Um ſo mehr ſind wir dazu berechtigt, weil Plinius l. c. für den Stamm der Iſtävonen kein Hauptvolk wie bei den andern genannt hat. Denn die Cimbri, welche ſich hier in einigen Handſchriften finden, hat er ja ſchon zu den Iſtävonen gerechnet; die Sigambri, welche einige neuere Bearbeiter hier erwähnt wiſſen wollen, bildeten in der erſten Zeit das Hauptvolk des iſtävoniſchen Stammes, ſind aber durch Tibe⸗ rius anno 8 n. Chr. bedeutend geſchwächt worden; und an ihre Stelle treten dann, wie wir ſehen werden, die Cherusker und die Catten. Daß die Cherusker nicht zu den Sueven gehören, ſagt auch ſchon Cäſar b. G. VI, 10;. Catten nennt Cäſar nirgends. Die meiſten neuern Hiſtoriker rechnen nun freilich die Catten zu den Sueven Cäſars; doch hebt Watterich; die Ger⸗ manen des Rheins Leipzig 1872 S. 35 mit Recht hervor, daß weder Cäſar noch irgend ein anderer Schriftſteller uns hierzu Veranlaſſung gebe. Cäſar kennt überhaupt außer den Ubiern und den gelegentlich einmal erwähnten Cheruskern nur Sigambern und Sueven dies⸗ ſeits des Rheins, d. h. den iſtävoniſchen und den herminoniſchen Stamm, die ihre mehr oder


