Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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die oben beſprochenen 1250 fl., ſondern ſogar um etwa 2500 fl. vermindern, welche Summe zu gleichen Theilen von Staat und Stadt zu tragen wäre: ſo müßte man auch in Bezug auf dieſe zu erſetzende Summe beſtimmen, daß Staat und Stadt dieſe Summe nur vorlegen, und daß dieſelbe, zur Entlaſtung derſelben, durch das Schulgeld und zwar zunächſt nicht durch Erhöhung der Schulgeldſätze, ſondern vermittelſt der Nichtverwendung entſprechend hoher Schulgeldüberſchüſſe und deren Zurückführung in die Staats⸗ und Gemeindekaſſe dem Staate und der Gemeinde zurückerſtattet werden ſollen. Daß dieſer Finanzplan ſich bewähren wird, ſteht mir außer Zweifel. Dafür wollte ich perſönlich haftbar werden. Verſetzt nur unſre Anſtalten in die rechten Verhältniſſe, und Ihr werdet es erleben, daß ſie prosperiren, wie nie zuvor. Aber glaubt es auch, daß nur bei hochſinniger und edelmüthiger Behandlung unſrer Angelegen⸗ heiten unſrer Anſtalt die Schwungfedern wachſen, welche ſie be⸗ fähigen zu kühnerem, glücklicherem Fluge!

Man entgegnet mir vielleicht:Wenn man den Gymnaſialfonds vermindert, bedroht man das Gymnaſium in ſeiner Exiſtenz! Ein gutes Haus wird unſer Gymnaſium mehr empfehlen, als ein paar Tauſend Gulden, von deren beſonderer Wirkſamkeit Nie⸗ mand etwas wahrnimmt. Denn hätte unſre Anſtalt keinen Fonds, ſo würde ſie unter⸗ halten werden, wie die vielen andren Anſtalten, welche keine eignen Fonds beſitzen. Wenn aber unſer Gymnaſium die Grundbedingungen ſeiner Exiſtenz nicht mehr in der Berechtigung und in dem bis jetzt unuͤbertroffenen Geiſte wahr⸗ haft allgemeiner Gymnaſialbildung beſäße, ſo würde dasſelbe trotz der kleinen klingenden Capitalien unſres Fonds bald bankerott ſein. Wenn wir auch 50,000 fl. Gymnaſialfondscapitalien in andrer, nützlicherer Weiſe, als es ſeither geſchah, nämlich in einem vortrefflichen eignen Hauſe anlegen würden, ſo beſäßen wir immer noch 14,000 fl. Capital und gegen 100 Morgen Ackerland.

Sollte nun aber der Staat zum Neubau unſrer Anſtalt nicht ein baares Capital als Subvention zuſchießen wollen, ſo müſſen wir um ein Darlehen zu niedrigem Zinsfuß bitten. Dann ſtellt ſich uns die Rechnung in folgender Weiſe. Wir haben zum Bau nöthig: 150,000 fl. Unſer Fonds könnte geben 50,000 fl.; der dadurch ſich er⸗ gebende Verluſt der Zinſen dieſer Summe wird, wie oben gezeigt wurde, durch Ver⸗ mehrung der Schulgeldeinnahme leicht aufgebracht. Nun ſind noch aufzubringen: 100,000 fl. Man veräußere ohne Anſpruch auf Gewinn das Pfandhaus und unſre jetzigen drei Häuſer(grade weil ſie getrennt ſind, können Private ſie leichter verwenden); und man kann für den großen Häuſercomplex(mit Einſchluß des Pfandhauſes) jedenfalls 25000 fl. löſen. Dieſe gehen von 100,000 fl. ab, und es ſind noch aufzubringen 75,000 fl. Dieſe leiht der Staat der Stadt Worms zu 3 Procent. Die Zinſen dieſes Capitals betragen jährlich: 2250 fl. Die Erbauung eines neuen Gebäudes für Gymnaſium und Realſchule im Werthe von 150,000 fl. würde