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alſo nach dieſem Plane der Stadt Worms nur eine jährliche Aus⸗ gabe von 2250 fl. veranlaſſen. Wenn dagegen jetzt mit kleinen ungenügenden Projecten vorgegangen würde, wenn man, unſre allerdringendſten Bedürfniſſe auf die nächſten 5— 10 Jahre vertheilend, wieder zum Syſtem der ſtückweiſen Anbauten und Reſtaurationen ſchreiten würde— wozu der Staat ganz gewiß keine Beiträge geben würde— ſo ſind in Kurzem die oben berechneten c. 53,000 fl. von der Stadt Worms allein zu tragen. Und wenn man dieſes Capital mit 5 Procent verzinſen muß, ſo betragen die jähr⸗ lichen Zinſen deſſelben nicht, wie nach unſrem zweiten Plane 2 250 fl., ſondern 2650 fl. Es iſt ſehr fraglich, ob ſich dieſer Betrag dadurch vermindern läßt, daß der Staat dazu ver⸗ anlaßt wird, die Schulgeldüberſchüſſe bis zu einem entſprechenden Betrage der hieſigen Stadt⸗ kaſſe zu überlaſſen. Die Laſten der Amortiſation der Capitalien wären in beiden Fällen, mag man ohne den Staat 53,000 fl. aufbringen oder von demſelben ein Darlehen zu 75,000 fl. zu 3 Proc. erhalten, nicht ſehr verſchieden. Nach unſrem Projecte würde, wenn 1 Proc. zum Be⸗ huf der Amortiſation vorgeſehen würde, unſre Stadt nach und nach in den Beſitz eines vortrefflichen, für ein paar Jahrhunderte genügenden Gebäudes gelangen und das nicht bedeutende Anlehen auch wirklich abtragen.
Ich ſehe voraus, daß man dieſen Ausführungen entgegentreten wird. Aber meine Aufgabe war es ja nur zu zeigen, wie eine reich e Anſtalt bei allſeitigem guten Willen aus dem Elend ihrer Wohnungsverhältniſſe zum Segen einer geſunden Entwicklung des leib⸗ lichen und geiſtigen Lebens der Schüler geriſſen werden könnte. Damit habe ich zu⸗ nächſt meiner Pflicht genügt. Möge Worms, die Stadt ruhmvollſter Vergangenheit, nicht von den kleinen Städtchen Büdingen und Michelſtadt überflügelt werden!
Dr. B.


