Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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Anſtalten ein in jeder Beziehung gutes Haus hinzuſtellen. Die Erbauung eines neuen dreiſtöckigen Hauſes an der Stelle des Pfandhauſes und die Reſtauration unſrer drei alten Häuſer werden, wenn dieſe Arbeiten nicht ſo leichthin ausgeführt werden ſollen, wie die Bauten der Jahre 1841 und 1863, etwa 53,000 Gulden koſten, nämlich 12,000 Gulden als Preis des Pfandhauſes, 25,000 fl. für ein zweiſtöckiges Gebäude an der Stelle des Pfandhauſes, etwa 8000 fl. für die Reſtauration der alten Häuſer, ungefähr 8000 fl. für die früher oder ſpäter unvermeidliche Herſtellung eines dritten Stockwerkes des Gebäudes an der Stelle des Pfandhauſes. Beſonders in dem Falle, wenn dieſe Bauten ſtückweiſe im Laufe der Zeit ausgeführt würden, würde der Staat dazu gewiß keinen Zuſchuß darbieten. Deßhalb wäre es am nützlichſten, wenn unſre Stadt uns ungefähr die im Vorſtehenden verrechnete Summe von 53,000 fl. oder rund 60,000 fl. bewilligte und auf Grund ſolcher Bewilligung bei dem Staate um eine von demſelben zu bewilligende Subvention im Betrage von 50,000 fl.(vgl. oben S. 83) anhielte. Dann ſollte man unſre ſeitherigen drei Häuſer mit Hof und Garten verkaufen: 15,000 fl. wird man gewiß dafür erhalten. Alſo vom Staate: 50,000 fl., von der Stadt: 60,000 fl., für das alte Haus ein Erlös von 15,000 fl., zuſammen: 125,000 fl. Da ein unſren Zwecken vollkommen genügendes Haus nach der Geſtalt und Eintheilung des Gebäudes der Wiesbadener höheren Bürger⸗ ſchule für 150,000 fl. erbaut werden könnte, ſo würden nach Vorſtehendem noch 25,000 fl. fehlen. Dieſe Summe könnte man recht wohl von dem Capitalſtock unſres Gymnaſialfonds nehmen. Dafür erhielte der Gymnaſialfonds einen entſprechenden hypothekariſchen Beſitzantheil an dem herzuſtellenden Hauſe, und es wäre dadurch die Sicherheit geboten, daß die Mittel des Fonds nur für die Zwecke unſrer Anſtalt, reſp. des Gymnaſiums verwendet würden. Die unter unſeren Einnahmen weg⸗ fallenden Zinſen dieſer 25000 fl. im Betrage von 1250 fl. würden zu erſetzen ſein durch einen entſprechenden Beitrag des Staates und der Stadt Worms: 625 fl. würden auf jeden Theil fallen. Allein in dem neuen Hauſe wird unſre Anſtalt ſich ganz gewiß ſo glücklich entwickeln, daß die Ueberſchüſſe unſres Schulgelds, welche dem Staate und der Stadt Worms zu gleichen Theilen zufallen, obigen Beitrag von 625 fl. jedem der beiden Patrone erſetzen werden. Ich habe die Ueberzeugung, daß ſich unſere Angelegenheiten für alle Intereſſenten um ſo glücklicher und lucrativer entwickeln werden, je praktiſcher und muthiger dieſelben jetzt nicht im kleinlichen Stile eines nicht befriedigenden Flickwerks angefaßt und durchgeführt werden. Daß unſer Gymnaſium in den Capitalien ſeines Fonds die Bürgſchaft ſeines Beſtehens habe, kann Niemand glauben; denn mit unſren Fondsrevenuen von 4500 fl. beſoldet man heute zwei Lehrer. Man könnte ohne Be⸗ denken auf unſren Neubau ſogar 50,000 fl. unſres Capitalſtocks verwenden. Zu den 150,000 fl., welche der Neubau koſtet, könnten Staat, Stadt und Fonds je ein Drittel zahlen, indem die Amtskellerei an den Fonds, die jüngeren Bauten an die Stadt zurückfallen. Wenn aus dem Fonds 50,000 fl. entnommen werden und die Einnahmen der Anſtalt ſich jährlich nicht um