Aufsatz 
Über die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung eines neuen Gebäudes für das Gymnasium und die Realschule zu Worms
Entstehung
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Beitrag zu ihren Bauten gegeben? Das Mainzer Gymnaſium koſtet den Staat gar Nichts. Iſt's denn unter ſolchen Verhältniſſen wirklich eine unberechtigte Forderung, wenn, wie's ſcheint, im Verlaufe und für die Dauer eines Jahrhunderts von unſrem Staate einem rheinheſſiſchen Gymnaſium, dem unſrigen, eine Subvention von 50,000 fl. zur Herſtellung eines Gebäudes verliehen wird, das ſchlechterdings noth⸗ wendig iſt und nicht von der Stadt Worms allein erbaut werden kann?

Ich möchte auch noch daran erinnern, daß unſre Stadt eine ſolche Subvention be⸗ ſonders auch deßhalb verdient, weil ſie jüngſt dem Staate ein werthvolles Gebäude für die Zwecke der Regierung unter dem Preiſe abtrat. Die finanziellen Kräfte der Stadt Worms ſind beſchränkt: dieſelbe bedarf und verdient in der hier discutirten Ange⸗ legenheit die Hülfe des Staates.

Ich habe oben angedeutet, daß die Stadt Worms unſren beiden Anſtalten bis jetzt geringe Summen für Bauten bewilligt hat. Die alteAmtskellerei(vgl. Beilage I) wurde 1824 unſrer Anſtalt in Tauſch gegeben für das beſſere, unſrem Fonds gehörige Gebäude des ehemaligen proteſtantiſchen Gymnaſiums: damals zog alſo die Stadt Worms von unſrer Anſtalt ſogar Gewinn. Die ſchlechten Reparaturen vom J. 1841, welche die beſſere Einrichtung unſres Hauſes aus dem Jahre 1824 entfernten, und die, wenn wir in unſrem Hauſe bleiben, demnächſt wieder beſeitigt werden müſſen, ſind kaum anzurechnen. Für neue Schullocale unſrer Anſtalten verausgabte die Stadt Worms im Jahre 1863 c. 4000 fl., im Jahre 1869 etwa 2800 fl., alſo im Ganzen ungefähr 6800 Gulden. Dazu die Pedellenwohnung. Wenn dies der ganze Be⸗ trag iſt, welchen unſre Stadt für Herſtellung neuer Unterrichtsräume von zwei höheren Lehr⸗ anſtalten verausgabte: ſo ſcheint es keine unbeſcheidene Bitte zu ſein, wenn nun darum nachgeſucht wird, für die beiden Anſtalten, welche bezüglich ihrer Locale ſchon ſo lange etwas mehr Berückſichtigung verdienten, nun eine entſprechende bedeutendere Bauſumme auszuwerfen.

Wir haben nicht gehört, daß man gelegentlich der Beſchlußfaſſungen bezüglich der Erbauung eines großartigen Volksſchulhauſes, des Militärlazareths, der ſtädtiſchen Pferdeſtälle, der Lagerhäuſer am Rhein, der Canaliſirung des Liebfrauenſtiftes ꝛc. erheb⸗ liche Einwendungen machte. Darum iſt es gar ſehr zu bedauern, daß unſre Anſtalt mit ihren Deſiderien zuletzt nachhinkt. Unſer Zeitalter geſteht der höheren Schule mit Recht eine große Bedeutung zu; aber bei den Verhandlungen über deren Subvention treten uns noch immer Reminiſcenzen aus den Zeiten der alten Schulmiſere entgegen; und wir ſind geſtehen wir dies nur ein in Deutſchland an vielen Orten bezüglich der Beſchaffung geſunder Schullocale noch lange nicht ſo weit vorgeſchritten, wie z. B. die freie Schweiz, welche es verſte=., das in der Entwickelung begriffene Kind in den 10,000 Unterrichtsſtunden einer achtjährigen Schulzeit(vernehmet es, ihr Eltern und Pfleger der Schulen!) in großen, luftigen, lichten, warmen Localen unterzubringen.

Möge es auch unſre Stadt als eine ernſte, aber im Intereſſe der Wormſer Kinder recht lohnende Pflicht anſehen, Alles zu thun, um unter Beihülfe des Staates unſren