Aufsatz 
Hoffnungen und Bestrebungen der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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zialſchulcollegium zu Coblenz bei der betreffenden Militärbehörde, daß aus dem Gymnaſialgebäude das Lazareth entfernt, daß die Anſtalt nicht weiter in ihrem Unterrichte geſtört wurde, obwohl wie be⸗ kannt iſt täglich Hunderte von Kranken und Verwundeten, die aus Frankreich kamen, in Saarbrück ihre erſte Unterkunft finden mußten. Wie erklärt ſich dieſe günſtige Lage des Saarbrücker Gymnaſiums? In Preußen wird das Lazarethweſen in Friedenszeiten und nicht auf Koſten wichtigſter Inſtitute des Staates oder der Gemeinden geordnet; deshalb wird man dort im Kriegsfall zum Zweck der Herſtellung eines Lazareths ſo wenig ein Gymnaſium auflöſen, wie man einem Gerichtshofe ſein Amtslocal nicht nimmt. Man wird in Preußen in Friedenszeit Lazarethe nur dort in Ausſicht nehmen, wo man dafür die Locale beſitzt oder vorſieht; und die preußiſche Lazarethverwaltung berückſichtigt die Vorſtellung der preußiſchen Unterrichtsverwaltung. Ganz anders ging's im letzten Sommer bei uns zu. Es war von Darmſtadt aus von einem Centralcomite veröffentlicht worden, Alzey, ein Städtchen von c. 5200 Einwohnern, könne irren wir nicht 500 oder mehr Kranke aufnehmen. Welche Militärverwal⸗ waltung hatte die angeblich vorhandenen Räumlichkeiten für 500 Kranke beſchafft oder eingeſehen? Keine! Als dann das königl. ſächſiſche Armeecorps durch Alzey und Umgegend marſchirte, ſollte ſo verlautete es wirklich ein großes ſächſiſches Reſerve⸗Lazareth in Alzey errichtet werden. Auch das Ge⸗ bäude unſerer Anſtalt wurde am 6. Auguſt von dem ſächſiſchen Stabsarzt Dr. Fröhlich durch Großh. Kreisamt Alzey requirirt; wir räumten gern alle Localitäten desſelben, mit Ausnahme von zwei Zimmerchen, deren jedes nur ein Fenſter hat. In dieſe Räume pferchten wir alle unſere Habe zuſam⸗ men, Bibliothek, phyſicaliſche Apparate, Chemicalien und die ganze Ausſtattung des chemiſchen Labora⸗ toriums, manche Möbel, die wir nicht unter freiem Hiumel, wie unſere Subſellien im Regen faulen, quellen und zerſpringen laſſen wollten. Selbſt dieſe Zimmerchen wollte Herr Dr. Fröhlich in Anſpruch nehmen, obwohl nur ſehr wenige Kranke im Realſchulgebäude lagen und noch viel Raum in demſelben war. Nachdem wir ihm dieſelben verſagt, wandte er ſich an hieſiges Kreisamt. Da ſandten wir den Schuldiener durch alle Räume des Lazareths und erfuhren ſo, daß in dem ganzen dreiſtöckigen Real⸗ ſchulgebäude, und zwar in dreizehn Zimmern, worunter vier große Säle ſind, nur vier und zwan⸗ zig Kranke lagen, daß außerdem ſechs Reconvalescenten auf unſerem Hofe ſich aufhielten. Fünf Zim⸗ mer, darunter zwei große Säle, fand der Pedell unbenutzt; ein Zimmer enthielt nicht einmal Betten, war ganz leer, in einem anderen Zimmer ſtanden nur zwei Betten. Dieſe Thatſachen reden. Die Ver⸗ handlungen mit Herrn Dr. Fröhlich ſchwebten noch, da erſchien ein Generalarzt in Alzey(wie ge⸗ ſagt wurde, ein preußiſcher); er ſah, daß in den Tagen, als ſchon blutige Schlachten bei Met geſchlagen waren und an der Moſel Mangel an Aerzten war, in Alzey ein ſtarkes ſächſiſches Sanitätsperſonal, aber nur wenige Kranken ſich aufhielten. Alsbald verließen die ſächſiſchen Aerzte mit ihrem Perſonal Alzey, und unſre Schule war frei. Wir wiſſen nicht, ob wir dieſe Erfahrungen der freieren Stellung verdanken, in welcher das ſächſiſche Armeecorps zum preußiſchen Heere und der heſſiſchen Verwaltung ſtand, oder ob Dr. Fröhlich allein die Verantwortlichkeit trifft. Man vergleiche die Erlebniſſe des Saar⸗ brücker Gymnaſiums und unſrer Schule und urtheile! Gott möge verhüten, daß die deutſchen Heere bald wieder nach Frankreich marſchiren. Da dies aber immerhin möglich iſt, ſo glaubten wir an dieſer Stelle durch zwei ſignificante Beiſpiele nachweiſen zu ſollen, wie zwei höhere Lehranſtalten von der preu⸗ ßiſchen und der ſächſiſchen Militärverwaltung ſo ſehr verſchieden behandelt wurden. Am 1. Septem⸗ ber konnte der Unterricht wieder ſeinen ſeitdem ungeſtörten Fortgang nehmen. Als dann in Alzey ein anderes Lazareth errichtet war, betheiligten ſich in der Zeit, als an Krankenpflegern dahier Mangel war, viele Schüler unſrer erſten Klaſſe mit lobenswerther Bereitwilligkeit an der Pflege der Kranken, nachdem ſie von Seiten des Lazareths darum erſucht worden waren. Die Störungen im Monat Auguſt und die gedachte ſpätere Betheiligung unſrer Schüler an dem Lazarethweſen hieſiger Stadt iſt freilich im Gange unſrer Anſtalt empfunden worden.

2. Reallehrer Walloth, Architect, wurde von dem kaiſerlichen Civilcommiſſariat des Elſaſſes zum commiſſariſchen Baumeiſter in Saargemünd ernannt und verließ nach faſt zweijährigem erfolgreichem Wirken am 30. November v. J. unſre Anſtalt, zunächſt mit Urlaub verſehen. Durch Allerhöchſtes De⸗ cret vom 4. Januar l. J. wurde er dann auf ſein Nachſuchen von ſeiner hieſigen Stelle entbunden. Nach ſeinem Weggang fiel mit Genehmigung Großh. Oberſtudien⸗Direction für den Reſt des Schuljahres der Unterricht im geometriſchen Zeichnen aus, zum proviſoriſchen Lehrer für das Freihandzeichnen wurde von genannter hoher Behörde Herr Franz Huber in Alzey beſtellt.