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Klaſſenſyſtems unſrer ſechsjährigen Realſchule zunächſt die Herſtellung einer ſechsten, oberſten Realklaſſe in's Auge faſſen, ſo blieben ihr doch auch noch einige andere Aufgaben. Es wäre näm⸗ lich höchſt wünſchenswerth, auch den Unterricht der fünf unteren Realklaſſen auf einigen Punkten Tubeheide zu fördern, als dies nach dem Maße der ſeither zu verwendenden Lehrkräfte möglich
Obwohl wir dieſe Angelegenheit erſt nach der projectirten Errichtung der neuen Klaſſe, alſo in uenn Linie zu betreiben haben, ſo unterlaſſen wir es doch nicht, ſchon jetzt mit einigen Worten darauf hinzuweiſen.
In welchem Sinne ließe ſich nun die ſehsjährige und ſechsklaſſige Realſcule zu Worms weiter ausbauen?
Etwa genau nach dem Lehrplan der preußiſchen Realſchule 1. Ordnung?
In dem zu Oſtern 1871 erſchienenen Programm der Alzeyer Realſchule habe ich gezeigt, von welcher Bedeutung es für unſer Land und unſre Realſchüler wäre, wenn neben dem Princip der Realſchule 2. Ordnung auch dasjenige der Realſchule 1. Ordnung bei uns eine Stelle fände, d. h. wenn wenigſtens in Darmſtadt eine reine Realſchule 1. Ordnung mit 8— 9⸗jährigem Curſus und dem in allen Klaſſenpflichtmäßig und ohne Ausnahme zu lernenden Latein errichtet würde, und wenn es zugleich möglich gemacht werden könnte, daß manche Real⸗ ſchulen 2. Ordnung durch Schaffung entſprechender facultativer Einrichtungen wenigſtens einem Theile ihrer Schüler die Ausſichten der Realſchule 1. Ordnung eröffneten.
Vermöchte wohl eine reine Realſchule 1. Ordnung von 8—9⸗jähriger Curſusdauer, welche von jedem Schüler ſtreng verlangen würde, daß er vom zehnten Lebensjahre an wöchentlich in 8— 10 Stunden im Labeim ezen ſich unterrichten laſſe, in Worms Boden und Sympathieen ſich zu erwerben?
Das Princip derz reinen Realſchule 1. Ordnung iſt offenbar zu Worms bereits vor einigen Jahren verworfen worden. Denn man hat das obligatoriſche Latein, die weſentlichſte Eigenthümlichkeit der Realſchule 1. Ordnung, aus hieſiger Realſchule verwieſen. Rufen wir uns mit einigen Worten in die Erinnerung zurück, wann und wie dies geſchah.
Nachdem unſre Anſtalt in den Jahren 1829 und 1830 zu einem Gymuaſium nach preußiſchem Vorbilde erhoben und im Jahre 1832 mit dem Rechte der Abhaltung der Maturitätsprüfung aus⸗ geſtattet worden war, ſtellte ſich ſchon in den dreißiger Jahren das Bedürfniß heraus, den nach dem Gymnaſiallehrplan zu wenig beachteten Realunterricht zeitgemäß zu fördern. Man beantragte dem⸗ nach im Jahre 1841, daß man für künftige Kaufleute und Gewerbetreibende einige Parallel⸗ Unterrichtsſtunden zum Zweck gründlicherer Ausbildung in den Naturwiſſenſchaften, den neueren Sprachen und im kaufmänniſchen Rechnen einrichte. So kam denn die Organiſation des Jahres 1842 zu Stande, nach welcher die Anſtalt aus ſechs Gymnaſialklaſſen mit Parallelſtunden für Gewerbtreibende in den mittleren Klaſſen beſtand. Dieſe Einrichtung konnte natürlich den Forderungen realiſtiſcher Ausbildung nicht genügen.„Die Realiſten waren genöthigt, zwei Jahre lang in wöchentlich 8 oder 7 Stunden Latein zu lernen. Sie brachten es, zumal ſie meiſtens ohne Luſt und inneren Beruf dafür waren, in dieſer Zeit kaum über die Elemente, von denen ſie weder Genuß, noch ſonderlichen Vortheil hatten, und blieben dabei in der Mutterſprache, der Mathematik und den übrigen Realfächern ſehr vernachläſſigt.“ Die Mangelhaſtigkeit dieſer Einrichtung veranlaßte eine ganz neue Geſtaltung der Anſtalt, ſo daß im Jahre 1852 neben vier zweijährigen Gymnaſialklaſſen vier


