Aufsatz 
Betrachtungen über Organisation und die staatliche Stellung der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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Realſchule angeſtellt ſind, wahre Freude bereitet, in der Vorſchule das zärteſte und in gewiſſer Bezieh⸗ ung dankbarſte Alter unſerer Jugend zu unterrichten. So wurde durch die bereitwillige Unterſtützung der hieſigen Reallehrer die Trennung der Vorſchule in zwei Abtheilungen, reſp. Klaſſen, wenigſtens theil⸗ weiſe ausgeführt, ohne daß dafür beſondere Geldopfer hätten gebracht werden müſſen. Wie aus dem beigefügten Jahresberichte erhellt, wurden dieſe beiden Abtheilungen oder Klaſſen wöchentlich in 11 Un⸗ terrichtsſtunden getrennt, in 21 Stunden dagegen vereinigt, aber auch in einem Theile der letzteren zer⸗ fielen ſie in mehrere Abtheilungen. Dieſes Verfahren bot Vortheile, die erkennen laſſen, welcher Gewinn unſerer Anſtalt zu Theil würde, wenn die von uns angeſtrebte Trennung der Vorſchule vollſtändig durchgeführt würde.

Nach unſerer ſeitherigen Praxis iſt unſere Vorſchule keine gewöhnliche Elementarſchule. Schon nach den im Vorſtehenden gegebenen Andeutungen iſt es klar, daß unſeren Zwecken keineswegs ausrei⸗ chend gedient iſt, wenn in der Zeit vom 7.10. Lebensjahre den künftigen Zöglingen unſerer Anſtalt nur die nothdürftigſten und vielleicht ſogar mehr oder weniger geradezu äußerlichen Fertigkeiten im Leſen, Schreiben, Rechnen und in der deutſchen Orthographie ꝛc. beigebracht werden. Da wir eine raſchere und eingehendere Entwickelung der mehr oder weniger auserleſenen Zöglinge unſerer Vorſchule herbeizu⸗ führen recht wohl im Stande ſind: ſo iſt in jener Zeit des zärteſten Jugendlebens die beſondere Art der Bildung, der Geiſtes⸗ und Charakterentwickelung, welche ſchon neben dem Unterrichte in jenen elementaren Lehrgegenſtänden gepflegt werden kann, für uns von der allergrößten Bedeutung. Wir wiſſen freilich, daß keine Elementarſchule dieſer ſeeliſchen Aufgabe fern ſteht, daß ſogar der Unter⸗ richt in allen Elementen auf die Elemente des Seelenlebens zurückzuführen iſt; aber das ſteht unſtreitig feſt, daß ſogar der ans Mechaniſche grenzende Elementarunterricht in der Kindesſeele um ſo beſſer fun⸗ damentirt werden kann, je erleſener die Schaar der Zöglinge iſt, welche in den Elementen unterrichtet werden ſollen. Aus der erwähnten Thatſache erklärt es ſich auch, daß die Elementarklaſſen der Privat⸗ lehranſtalten, daß Vorſchulen zu höheren Lehranſtalten geſuckt, geehrt und gepflegt werden. In dem an⸗ gedeuteten Sinne vermochten auch wir Geiſt und Herz unſerer kleinen Zöglinge durch entſprechende Unterrichtsſtoffe zu bilden. Im Vorerzählen und Wiedererzählen von Mährchen und Geſchichtchen leben ebenſo Phantaſie und Gemüth der 7⸗ bis S⸗jährigen Kinder auf, wie die älteren Vorſchüler gerne Sa⸗ gen und Geſchichten des Alterthums und des Mittelalters hörten. Die Gewandtheit der Sprache, welche dabei erſtrebt wurde, iſt nur ein Mittel und Kennzeichen der Bildung, welche den Kleinen gegeben wurde.

Auch der naturgeſchichtliche und der geometriſche Anſchauungsunterricht führten die Zöglinge ebenſo über den engen Kreis der gewöhnlichen Elementarkenntniſſe hinaus, wie eine vorbereitende Anlei⸗ tung zum Zeichnen und ein naturgemäßer Anfangsunterricht im Franzöſiſchen nicht mehr im Bereiche des Elementarunterrichts liegen. Auch der Turnunterricht unſerer Kleinen charakteriſirt die beſondere Art ihrer Vorbereitung für die Realſchule. Es kann nicht bezweifelt werden, daß ſchon der angedeutete Unterrichtsgang den Vortheil bot, daß die Zöglinge durch denſelben vielfach angeregt, zu geiſtiger Le⸗ bendigkeit angehalten und auf dieſem Wege ganz beſonders befähigt wurden, ſo frühe als möglich zu dem erſten und leichteſten Unterrichte in einer fremden Sprache überzugehen. Die Regſamkeit und Stärke des Vorſtellungslebens würde aber bei dieſen Zöglingen jedenfalls gemehrt und geſichert, wenn wenig⸗ ſtens die reiferen unter denſelben von den erſten Anfängern vollſtändig getrennt würden, ſo daß etwa die 6⸗ 9⸗jährigen Schüler die zweite, die 10⸗jährigen aber die erſte Vorklaſſe bilden würden. Von den ueunjährigen vermögen indeſſen die fähigen zu der erſten Claſſe gezogen zu werden. Würden die beiden Arten von Schülern vollſtändig getrennt, ſo wäre es nicht nöthig in einem Theile der Unter⸗ richtsſtunden der reiferen Schüler zugleich auf die Anfänger Rückſicht zu nehmen; man wütd. dann bei