Aufsatz 
Betrachtungen über Organisation und die staatliche Stellung der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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bis jetzt im Allgemeinen die oberſte Abtheilung derſelben, ſie hatten aber ſeither wöchentlich nur 2 Stun⸗ den franzöſiſchen Unterricht. Es wäre nun ſehr zweckmäßig, wenn in der nächſten Zeit für dieſen Lehr⸗ gegenſtand 4 Stunden angeſetzt würden, und wenn nur die im 10. Lebensjahre ſtehenden Vorſchüler darin unterrichtet würden. Dieſe würden dann das in dieſem Unterrichte dargebotene Material ſo ein⸗ gehend verarbeiten können, daß ſie dann im 11. Lebensjahre, wie auf dem Gymnaſium, das Latein mit gutem Erfolge betreiben könnten und nicht durch die genannten Sprachen überbürdet würden. Wenn nun die im 10. Lebensjahre ſtehenden Schüler der Vorſchule wöchentlich vier Stunden franzöſiſchen Unterricht haben, ſo iſt es nicht nöthig, daß ſchon die im Anfange des 9. Jahres ſtehenden Schüler mit dem Franzöſiſchen beſchäftigt werden. Dieſelbe nahmen freilich ſeither an dieſem Unterrichte der älteren Mitſchüler in der Weiſe Theil, daß ſie ſich eine Anzahl von Wörtern, Sätzchen oder Formen einprägten und die bewegliche Zunge einſtweilen an die Ausſprache gewöhnten. Wenn wir nun den Anfang eines ſtrengen Unterrichts in der franzöſiſchen Sprache in das 10. Lebensjahr zu verlegen wünſchen, ſo kann dies angeſichts der nur durch dieſe Einrichtung zu ermöglichenden Vortheile unſerer Organiſation keinen pädagogiſchen Bedenken unterliegen. Sieht man die Programme von recht vielen deutſchen Realſchulen durch, ſo kann man wahrnehmen, daß an vielen Orten ein Theil der Schüler im 10. Lebensjahre mit dem Erlernen einer fremden Sprache beginnt. Viele preußiſche Realſchulen nehmen befähigte Schü⸗ ler ſchon im 10. Lebensjahre in die Sexta auf. Wie ſe ſchreibt in dem vor nicht langer Zeit erſchie⸗ nenen BucheVerordnungen und Geſetze für die höheren Schulen in Preußen, S. 25:Die Aufnahme in die Sexta der höheren Schulen geſchieht vorſchriftsmäßig nicht vor dem vollendeten neunten Lebensjahre. Demnach iſt in Preußen die Aufnahme der Schüler in die Gymnaſien und Realſchulen ſchon im 10. Lebensjahre officiell geſtattet, und neunjährige Schüler beginnen Latein zu lernen. Das Franzöſiſche macht nun aber den Kindern weniger Schwierigkeiten, als das Latein, und es iſt demnach nicht zu beanſtanden, wenn daſſelbe in der Folge bei uns im 10. Lebensjahre in Angriff genommen wird. Daſſelbe Verfahren findet auch in vielen anerkennenswerthen Privatlehranſtalten Statt. Und wie ſolche Anſtalten bei einem ausreichenden Klaſſenſyſteme und durch zweckmäßige Auswahl bildender Unter⸗ richtsſtoffe die Entwicklung der 6⸗ bis 10-jährigen Kinder in wohlthätigſter Weiſe befördern können, ſo müſſen auch wir unſeren Zöglingen des bezeichneten Lebensalters alle Vortheile wünſchen und zu ver⸗ ſchaffen ſuchen, welche nur durch zweckmäßige Organiſation des Unterrichts zu ermöglichen ſind. Ehe wir auf dieſes Thema näher gehen, müſſen wir freilich, damit unſere Erörterung zu keiner Mißdeutung An⸗ laß gebe, darauf hinweiſen, daß ſchon die ſeitherige Einrichtung unſerer Vorſchule erfreuliche Früchte getragen hat. Denn diejenigen Schüler, welche ohne in unſerer Vorſchule vorbereitet worden zu ſein als 10⸗ oder 11⸗jährige in unſere 5. Klaſſe aufgenommen wurden, vermochten leider meiſtens nicht mit denjenigen Schülern in allen Gegenſtänden des Unterrichts vorwärts zu ſchreiten, welche aus un⸗ ſerer Vorſchule hervorgegangen waren. Derartige Schüler mußten ſogar in dem jetzt zu Ende gehenden Schuljahre eine Unterabtheilung der 5. Klaſſe bilden, und die Nachwirkungen davon werden ſich trotz des eifrigſten Bemühens der Schule bei vielen dieſer Schüler noch längere Zeit fühlbar machen.

In welchen Beziehungen aber ſoll die Vorſchule Einrichtungen bewährter Privatlehranſtalten ſich aneignen? Gute Privaterziehungsanſtalten führen die 6 10⸗jährigen Zöglinge verhältnißmäßig raſch voran und lehren dieſelben faſt ſpielend Vieles, was ſpäter dem Unterrichte die beſten Dienſte leiſtet, weil ſie die meiſt auserleſenen Schüler des bezeichneten Alters nicht in einer Claſſe vereinigen, ſondern aus denſelben nach ihren Fähigkeiten mehrere Schulklaſſen bilden. Unſere Vorſchule oder ſechste Claſſe nahm ſeither Kinder von 6 bis 10 Jahren in ſich auf und zerfiel in mehrere Abthei⸗ lungen, welche in 32 wöchentlichen Unterrichtsſtunden, theils vereinigt, theils getrennt und in verſchiedenen Zimmern unterichtet wurden. Es hat nämlich auch Lehrern, welche für die Klaſſen unſerer eigentlichen