Aufsatz 
Betrachtungen über Organisation und die staatliche Stellung der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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7 Landes eine Prima und deren Berechtigungen beſäße, ſo wäre ſchon dadurch uns und ſämmtlichen Real⸗ ſchulen des Landes in entſcheidender Weiſe eine höhere Aufgabe überwieſen.

Soll es dazu kommen, ſo iſt es jetzt ohne Zweifel die höchſte Aufgabe der heſſiſchen Reallehrer, der rein pädagogiſchen Principien ſich zu erinnern, welche jeder erziehenden Schule beſonders werth ſein müſſen, und welche auch innerhalb des Realſchulweſens zu möglichſter Durchbildung und Vollendung gelangen ſollen. Wir dürfen es nicht vergeſſen, daß wir die Förderung unſeres Strebens zunächſt nicht der Macht der Idee, nicht der Begeiſterung für gediegenere Ausbildung, verdanken. Nicht die Muſe, ſondern das viel berufene Eiſen hat unſere Realſchule auf den Punkt geführt, auf welchem wir ſtehen. Niederdrückend und trauervoll war die lange Zeit, in welcher der Handel und Wandel des alltäglichen Verkehrs die Reife unſerer Realſchüler beſtimmte; hüten wir uns, daß wir nicht vorwiegend unter der Herrſchaft des Kriegsgottes ſtehen bleiben, unter deſſen Vormundſchaft das rein menſchliche Princip der Erziehung Schaden nehmen müßte.Jetzt herrſcht das Bedürfniß, ſagt Schiller im zweiten Briefe über die äſthetiſche Erziehung des Menſchen,und beugt die Menſchheit unter ſein tyran⸗ niſches Joch. Der Nutzen iſt das große Jdol der Zeit, dem alle Kräfte frohnen, dem alle Talente huldigen ſollen. Im dritten Briefe aber ſagt derſelbe:Wenn der Künſtler an einem Uhrwerk zu beſſern hat, ſo läßt er die Räder ablaufen; aber das lebendige Uhrwerk des Staates muß gebeſſert werden, indem es ſchlägt, und hier gilt es, das rollende Rad während ſeines Umſchwungs auszutauſchen. So möge, während unſere Realſchulen zunächſt auf dem ſeitherigen Wege weiter gehen, denſelben mit Entſchloſſenheit und Sicherheit eine edlere Kraft, eine neue Triebfeder zum Zwecke der Bewegung ihres inneren Räderwerks eingefügt werden. Wir wollen den im Herzen des Menſchen begründeten Zweck der Erziehung fördern! Die heilige Sache der Erziehung ſoll nicht vor⸗ wiegend äußeren und äußerlichen Intereſſen dienſtbar werden! So müſſen wir zum Segen der Real⸗ ſchulen gerade jetzt unſere rein pädagogiſchen und didaktiſchen Zwecke in den Vordergrund ſtellen. Wir müſſen einerſeits vor Allem auf diejenigen innerſten Bedürfniſſe des kindlichen Herzens zurückgehen, welche ſchon in den erſten Jahren des kindlichen Lernens ſich geltend machen, andrerſeits können wir erſt dann unſere wahre Aufgabe für geſichert erachten, wenn wir durch Erziehung und Un⸗ terricht ſo lebhafte Intereſſen für eire allgemeine Ausbildung des Geiſtes und Herzens begründet und durch Anhäufuung des erforderlichen Maßes von poſitivem Wiſſen ſo entſchieden gefördert haben, daß hierauf die allgemeine Vorbildung, welche eine vollſtändige Realſchule in der Prima gewähren kann, ſchließlich zum academiſchen Studium aller derjenigen Wiſſenſchaften und Künſte befähigt, für welche ein quellenmäßiges Zurückgehen auf das griechiſch⸗römiſche, hebräiſche, indiſche ꝛc. Alterthum oder auf die Literatur des Mittelalters nicht erfordert wird. Auch in unſerem Lande iſt man wohl berech⸗ tigt, auf die Gewährung eines derartigen Bildungsganges zu hoffen, vorausgeſetzt, daß man ſich daran erinnert, daß jede von Einſeitigkeiten freie nud ächte realiſtiſche Bildung ebenſo auf den feſtſtehenden Geſetzen des Menſchengeiſtes zu beruhen habe, wie eine zugleich ideale und praktiſche Durchbil⸗ dung deſſelben auch ihre Aufgabe bildet. In dieſem Sinne wollen wir nun zuvörderſt zwei Momente, welche die zukünftige Organiſation und Stellung unſerer Realſchulen weſentlich bedingen würden, nämlich die Grundlage und den Abſchluß der realiſtiſchen Erziehung und des Unterrichts der Realſchulen, und zwar im Hinblicke auf die nächſten Bedürfniſſe unſerer Anſtalt in Kürze beſprechen.

Die Grundlage oder die Vorſchule.

Bei der Umgeſtaltung, welcher unſere Realſchulen unterzogen werden, macht ſich offenbar eine Verſchiedenheit der Anſichten bezüglich der Stellung geltend, welche dem Latein in denſelben an⸗