Aufsatz 
Betrachtungen über Organisation und die staatliche Stellung der Realschulen des Großherzogtums Hessen
Entstehung
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für ihre Leiſtungsfähigkeit bieten. Viele Realſchulen unſeres Landes waren aber ſeither und ſind viel⸗ leicht wenn nicht von ihren Freunden eiſrig für dieſelben gewirkt wird noch lange ſo kläglich geſtellt, daß ſie nur zeitweiſe, wenn ein zufälliges Zuſammenwirken gewiſſer Perſönlichkeiten ihren Auf⸗ ſchwung ermöglicht, den höheren Verpflichtungen nachkommen können, welche ihnen demnächſt auferlegt werden dürften. Unſer Realſchulweſen hat offenbar im letzten Jahre eine ſehr veränderte Stellung er⸗ halten. Vor einem Jahre hatten wir uns zu fragen: Auf welchem Wege vermögen wir diejenigen höchſten Ziele zu erreichen, welche überhaupt den Realſchulen unſeres Landes geſteckt ſind? Heute wird der weiter blickende Reallehrer allen Ernſtes erwägen müſſen, unter welchen Bedingungen er den grö⸗ ßeren Verpflichtungen wird genügen können, die eine durchaus neue, früher niemals vorhandene Lage ihm bald überweiſen wird. Iſt es doch erlaubt und natürlich, daß ſich eine mit der wahren Sittlichkeit ſtrebende Schule vorſchauenden Geiſtes lieber rechtzeitig der kommenden Aufgaben entſinnt und frühzeitig derjenigen Mittel bewußt zu werden ſucht, welche höheren Zielen entgegenführen, als daß man regungs⸗ los warte auf eine zu gebende Norm, die nur von demjenigen als eine Feſſel empfunden wird, welcher ſie nicht erhoffte, nicht ſtrebend gewollt. Man hat aber ſogar ein Recht, von uns zu fordern, daß wir, die in der Praxis ſtehenden Reallehrer, uns jetzt regen. Denn nur wenn in den einzelnen Anſtalten das Feuer eines verjüngenden Strebens glüht, vermag unſer Realſchulweſen eine neue Bahn mit Erfolg zu betreten.

Es müſſen mit Umſicht feſte und dauerhafte Fundamente für diejenigen Realſchulen gelegt werden, welche ſicheren Schrittes die neue Bahn betreten, welche dauernd prosperiren ſollen. Wenn dagegen die für die Entwicklung gewiſſer Realſchulen unentbehrlichen Grundlagen jetzt nicht von vornherein geſichert würden, ſo würde es geſchehen, daß eine ſolche Schule, wenn ihr demnächſt die Durchführung eines höheren Lehrplans zur Pflicht gemacht würde, vielleicht ſchon bald ſich geſtehen müßte, daß ſie trotz des beſten Willens weder ſich ſelbſt, noch der gegebenen Vorſchrift genügen könne. Es iſt eine friſche Luft, welche uns umweht, ſie beſchleunigt wohl hier und da eine Kriſis, den Kräftigen aber, der in geſunden Verhältniſſen lebt, ſtärkt ſie wie der friſche Frühlingsmorgen.

Es kommt uns nun nicht zu, an dieſer Stelle alle Bedingungen zu erörtern, deren Sicherſtellung eine ungefährdete und ſtetige Weiterentwicklung einzelner Realſchulen und des geſammten Realſchul⸗ weſens unſeres Landes in Ausſicht ſtellt. Dagegen hat das Realſchulprogramm in unſerem Lande gerade jetzt die hochwichtige Aufgabe, einen directen Verkehr zwiſchen einzelnen Anſtalten und dem Publikum der betreffenden Städte, eine Verſtändigung über Zwecke herbeizuführen, welche dem praktiſchen Intereſſe der einzelnen Städte und Bezirke und getreuer Fürſorge für die Sache der Erziehung und Bildung ent⸗ ſtammen. Weil die Hebung unſerer Realſchulen vor Allem im Intereſſe unſerer Städte liegt, ſo werden dieſe auf die Gefahr hin, daß ihnen wichtige Vortheile entgehen ſollten, gerne den Anſtalten, welche man mit Vorliebe Bürgerſchulen genannt hat, den nöthigen Vorſchub leiſten. Der Staat kann zwar die Gleiches leiſtenden Realſchulen hinſichtlich der ihnen zu leiſtenden Staatsbeiträge gleichſtellen, im Uebrigen aber werden die betreffenden Städte gerne eintreten. Je früher nun die wirkliche Lage und die wahre Auf⸗ gabe unſerer Realſchulen vor allen bei ihrer Hebung mitwirkenden Factoren offen und ehrlich dar⸗ gelegt werden, um ſo ſicherer wird man nicht zu fürchten haben, daß die Vortheile der auf dem Gebiete unſeres Unterrichtsweſens hervorgetretenen Bewegung, welche jetzt allen Städten, allen Realſchulen unſeres Landes in der einen oder anderen Weiſe zu Theil werden können, nur einigen Orten und überdies nicht in ausreichender Weiſe zu Gute kommen. Es liegt nämlich nicht nur, wie wir oben angedeutet, die Gefahr nahe, daß die Realſchulen der kleineren Städte unſeres Landes in einer den zu übernehmenden Verpflichtungen nicht entſprechenden Weiſe dotirt werden, ſondern es könnte auch kommen, daß die Städte Darmſtadt, Mainz und Offenbach noch längere Zeit mit ſechsjährigen Realſchulen ſich begnügen, obwohl