Aufsatz 
Zur Verfassungsgeschichte des Rheinbundes
Entstehung
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Kriminal-Gericht eines andern souveränen Bundestaates mit der Führung des Prozesses beauftragt, und welches dann das Urtheil namens des Bundes aussprechen würde. Dem souveränen Fürsten, in dessen Staat der mediatisierte Reichsstand delinquirt hat, und seinen Gerichten steht die erste cognitio, deprehensio und custodia des Delinquenten zu(letzteres für den ersten Augenblick, wo metus fugae vorhanden ist).

Das Denkschreiben Albinis sowie Ebersteins Direktorial-Vortrag hatten in Ausführung des Art. 11 der Rheinbunds-Akte über diejenigen Gegenstände Vorschläge gebracht, worüber die erste Bundesversammlung in Frankfurt beraten und beschliessen sollte. Die grossen politischen Veränderungen, welche der Abschluss der Rheinbunds-Akte in betreff der Land-Abtretungen und Mediatisierungen zur Folge hatte, waren durch die Bundes-Akte genau bestimmt und bedurften scheinbar keiner weiteren Erläuterung. Trotzdem erhob sich über die den Mediatisierten ver- pleibenden Rechte ein grosser Streit. ¹)

Diejenigen, welche die Partei der Mediatisierten ergriffen(namentlich imRheinischen Bund, Bd. 3 ff.), führen aus, dass denselben alle die Rechte verbleiben, die nicht durch die Rheinbunds- Akte ganz ausdrücklich den Souveränen übertragen worden sind. Mit Recht machen sie darauf aufmerksam, dass die Bundes-Akte unterscheidet zwischen souveraineté und propriété, dass die Mediatisierten nicht etwa ci-devant régnans, sondern actuellement régnans genannt werden, nament- lich führen sie aber die Stelle in dem Art. 27 an, in dem es heisst, dass die Mediatisierten alle herrschaftlichen und Lehens-Rechte behalten, non essentiellement inhérens à la souverdineté.

Die Souveräne dagegen suchen in der Folge die Rechte der Mediatisierten immer mehr zu verkümmern. Nach dem Rechte des Stärkeren mussten in der Folge die Mediatisierten unter- liegen.

Allerdings machten in dieser Beziehung einige Fürsten eine rühmliche Ausnahme; so die Fürstin von Lippe ²) und der Fürst Primas.3)) Auch der König Max Joseph von Bayern zeigte in seiner ersten Deklaration) eine sehr humane Auffassung. Aber vergleichen wir mit dieser die später erlassenen Verfügungen in betreff der Mediatisierten,⁰5) so sehen wir, wie derselbe Fürst allmählich die Rechte der ihm Unterworfenen immer mehr schmälerte. Am schroffsten verfuhr

¹) Der in Betracht kommende Art. 27 der Rheinbunds-Akte heisst: Les Princes et Comtes actuellement régnans conserveront chacun comme propriété patrimoniale et privée tous les domaines sans exception, qu'ils possèdent maintenant ainsi que tous les droits seigneuriauæ et féodauæ, non essentiellement inhérens à la souberaineté, et notamment le droit de basse et moyenne Jurisdiction en matière civile et criminelle, de Jurisdiction et de police forestière, de chasse, de péche, de mines, d'usines, des dimes et prestations féodauæ, de päturage et autres semblables revenus provenans des dits domaines et droits.

Leurs domaines et biens seront assimilés, quant à l'impöt, auæ domaines et biens des princes de la maison, sous la souveraineté de laquelle ils doivent passer en vertu du présent traité; ou si aucun des princes de la dite maison ne possédait d'immeubles, auc domaines et biens de la classe la plus privilegiée. Ne pourront les dits domaines et droits étre vendus& un souverain étranger à la confédération, ni autrement aliénés, sans avoir étı préalablement oyerts au prince, sous la souveraineté duquel ils se trouvent placés.

²) cf. Bekanntmachung der Fürstin von Lippe, die Folgen des Beitritts zum rheinischen Bund für das Land und die Dienerschaft betreffend: Rh. Bund, Bd. 11, p. 327.

³) cf. Fürstlich Primatische Deklaration, die Civil- und Kriminal-Gerichtsbarkeit in den souveränen Landen betreffend: Rh. Bund, Bd. 11, p. 292 ff.

) cf. kgl. bayr. Deklaration, die Bestimmung der der kgl. Souveränität unterworfenen Fürsten, Grafen und Herrn zu den verschiedenen Zweigen der Staatsgewalt betreffend: Rh. Bund, Bd. 2, p. 372 ff.

³) Rh. Bund, Bd. 5, p. 295 f.; Bd. 8, p. 138 ff. und 350 ff; Bd. 10, p. 443 ff.; Bd. 11, p. 166 ff.