C. Ausſprache.
d. Geberden.
Controle.
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Hierzu gehört in erſter Linie eine reine und korrekte Ausſprache. Von jedem ohne Unterſchied muß ein langſames, deutliches und nun auch dialektfreies und ausdrucksvolles Sprechen verlangt werden. Zu⸗ vörderſt alſo iſt jene Haſt zu vermeiden, die weder dem Redner Zeit zum Atmen, noch dem Hörer zum Denken läßt, die einzelne Buchſtaben überſpringt, ganze Silben verſtümmelt oder verſchluckt, über die Pauſen hinwegeilt und weder Wort⸗ noch Redeaecent zur Geltung bringt. Das Grundprincip der Dekla⸗ mation muß ſein, alles ſo auszuſprechen, daß es deutlich verſtanden wird und den gehörigen Eindruck macht. Dazu iſt zunächſt eine gewiſſe lautliche Stärke erſorderlich, aber das laute Sprechen iſt weder die einzige, noch die wichtigſte Vorbedingung der Deutlichkeit; denn daß dieſelbe weit mehr auf einem ſcharfen und präciſen Articulieren beruht, beweiſen zur Genüge unſere Schauſpieler, die mit dem zarteſten Pianiſſimo, wie nur je das ceiner Violine geweſen iſt, bis auf die letzten Bänke der Gallerieen verſtändlich bleiben. Natürlich müſſen jetzt auch alle Anklänge an Dialekt und Provinzialismen ſchwinden, da dieſelben auf dieſer Stufe als eine Nachläſſigkeit empfunden und gerügt werden würden. Auf das entſchiedenſte bekämpfe man ſchließlich die bei der Jugend ſo häufig hervortretende Monotonie, jenes Sprechen ohne Hebung und Senkung, das mit dem Fehlen jeglicher Modulation auch die ganze innere Kälte und Gleich⸗ gültigkeit des Redners verrät. Dieſe Forderungen alſo ſind gleichmäßig an alle Schüler zu ſtellen; darüber hinaus aber zu einem wahrhaft ſchönen und edlen Vortrag werden ſtets nur wenige gelangen, da Ver⸗ erbung und häusliche Gewöhnung hier ihren Einfluß in beſonderem Maße geltend machen. Immerhin laſſe man es nie an Auſmunterungen ſehlen, denn was Fleiß und Ausdauer gerade hier erreichen können, dafür ſind die Erſolge eines Demoſthenes und Palleske ein glänzender Beweis.
Mit einer tief empfundenen Sprache ſtehen die Geberden in innigſtem Zuſammenhang. Als oberſter Grundſatz iſt hier feſtzuhalten, daß keinerlei eingelernte oder demonſtrative Geſticulation Platz greifen darf, da dieſelbe als unnatürlich auch immer unbeholfen und ſteif bleiben wird ¹). Etwas anderes iſt es jedoch mit ſolchen Geſten, die ganz von ſelbſt der warmen und lebendigen Sprache entſpringen. Schon das Geſicht wird bei demjenigen Redner, der mit wahrer Empfindung ſpricht, die dem jedesmaligen Gemüts⸗ zuſtand entſprechenden Züge annehmen und leicht einen trotzigen Blick, eine gerunzelte Stirne oder ein leiſes Lächeln zeigen. Dieſe Wechſelwirkung zwiſchen Geiſt und Körper läßt uns im Geſpräch des Um⸗ gangs ebenſo richtig agieren als deklamieren, und da der Schüler auch in der Stunde kein völlig anderer ſein kann, als in den Verhältniſſen des täglichen Lebens, ſo ergiebt ſich von ſelbſt, daß ihm beim Vor⸗ trage ſolche Kopf⸗ und Handbewegungen zu geſtatten ſind, die ſich unwillkürlich als Begleiterinnen einer lebhaften Sprache einſtellen, vorausgeſetzt natürlich, daß dieſelben immer einfach und edel bleiben.
Die insbeſondere auch von den Schülern ſorgfältig zu übende Controle richtet ſich auf Inhalt, Form und Vortragsweiſe. Es muß hierbei den einzelnen geſtattet ſein, ſich diejenigen Punkte, die ſie nachher zur Sprache bringen wollen, in kurzer Faſſung zu notieren. Man hat wohl eingewendet, daß der Redner dadurch leicht geſtört und unſicher gemacht werden könnte; aber erſtlich wird dieſe Beſorgnis in keiner Weiſe durch die Erfahrung beſtätigt, und ſodann ſollte man dem, der ſchon irre wird, wenn ein Zuhörer zur Feder greift, lieber den Rat geben, den Mund überhaupt nicht aufzuthun. Eine Rückſichtnahme aber muß der Redende von vornherein erwarten können: daß er nicht unterbrochen wird. Schon oben iſt darauf hingewieſen worden, wie heilſam es im Unterrichte iſt, im gegebenen Moment an ſich zu halten, und das gilt hier in ganz beſonderem Maße. Es müſſen die zwingendſten Gründe ſein, die eine Unterbrechung des Redners rechtfertigen, und als ſolche kann man nur gelten laſſen, wenn gleich zu Anfang ſchon ſchlechte Sprache, unſchickliche Haltung oder ähnliche auffallende Mißſtände ſich zeigen, von denen zu fürchten iſt, daß ſie ſich während des ganzen Vortrags bemerkbar machen und dadurch den Wert der geſamten Üübung in Frage ſtellen könnten.
Ein beſondere Form der Controle und zugleich eine neue, wertvolle Ubung wird gewonnen, wenn man einen oder mehrere Schüler beauftragt, während des Vortrags ein Protokoll zu führen. Die ſächſiſche Lehr⸗ und Prüfungsordnung vom 28. Januar 1893 ordnet auch thatſächlich in Verbindung mit den
¹) Vgl. Dir. Conf. Schleſ. 1870.


