Aufsatz 
Ueber die deutschen Vorträge in Prima / von A. Baur
Entstehung
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VorträgenÜbungen im Protokollieren und Referieren an. Der Nutzen derſelben liegt auf der Hand. Sie zwingen den Betreffenden nicht nur zu einer ununterbrochenen Aufmerkſamkeit, ſondern nötigen ihn auch, die Hauptpunkte des Gehörten richtig zu erfaſſen und ſofort in knapper und präciſer Form wieder⸗ zugeben. Vorausſetzung dabei iſt aber, daß auch der Vortragende ſelbſt dieſe Hauptpunkte klar und deutlich heraushebt, ſeine Dispoſition alſo noch ſchärfer wie bei den Aufſätzen hervortreten läßt. Ein nachträgliches Ausarbeiten der Protokolle iſt nicht ſtatthaft; ſie können gleich geleſen oder vom Lehrer nachher eingeſehen werden. Etwas neues ſind ja im Grunde genommen auch dieſe Übungen nicht, da zahlreiche andere Fächer und namentlich der Geſchichtsunterricht längſt Anregung zu einer ähnlichen Thätigkeit gegeben haben. Nur muß hier das ſonſt ſo nützliche Stenographieren ausgeſchloſſen bleiben, da es trotz ſeiner unleugbaren Vorzüge den Schüler leicht, anſtatt ihn zu ſichtender Kritik zu veranlaſſen, zu einem gedanken⸗ loſen Nachſchreiben verleiten kann ¹).

Den Schluß des Ganzen bildet eine beurteilende Beſprechung, die aber nicht einfach durch den Lehrer gegeben werden, ſondern unter möglichſter Beteiligung der geſamten Klaſſe erfolgen ſoll. Dieſes Verfahren allein giebt uns ein Mittel an die Hand, zu erkennen, inwieweit die Schüler den behandelten Gegenſtand beherrſchen und dem Vortragenden ihre Aufmerkſamkeit geſchenkt haben. Eine derartige Kritik ſoll übrigens nicht nur die Mängel, ſondern auch die löblichen Eigenſchaften des Vortrags hervorheben, denn für jeden jungen Menſchen wird es ein Sporn ſein, aus dem Munde ſeiner Kameraden ein Lob und eine Anerkennung zu vernehmen. Dem Redner muß es unbenommen bleiben, ſeine Behandlungsweiſe zu rechtfertigen; und wenn die Schüler ſchon von unten herauf gewöhnt worden ſind, die Beurteilung einer Deklamation und dergl. in gemeinſamer Arbeit feſtzuſtellen, ſo iſt nicht zu befürchten, daß die ſich an⸗ ſchließende Diskuſſion die Grenzen der Sachlichkeit und Friedfertigkeit überſchreitet.

Wir ſchließen hiermit den Kreis unſrer Betrachtungen und übergeben dieſelben der Beurteilung ſach⸗ kundiger Leſer. Ich bin weit entfernt, in dem geſchilderten Verſahren das einzige Mittel zu erblicken, das zum Ziele führen könnte; auch mag es im Nebenſächlichen entſprechend geändert werden; in allen Hauptpunkten aber hat es ſich im Verlaufe einer mehrjährigen Praxis durchaus bewährt. Auf keinem Gebiete geben unſre Schulen eine abſchließende, fertige Bildung; Wiſſenſchaft, Kunſt und Leben müſſen weiter erziehen. Wenn nun der Jüngling gelernt hat, ohne Scheu vor die Zuhörer zu treten und ſeine ſorgfältig zurechtgelegten Gedanken ruhig, klar und geſchmackvoll zu entwickeln, ſo wird der Mann, dem Verſtand, Gemüt und Charakter zur Reife gekommen ſind, von ſelbſt die Fähigkeit gewinnen, auch aus dem Stegreif am rechten Platz das rechte Wort zu ſagen. Abſichtlich habe ich bei dieſen Übungen die formale Seite ſo betont, weil ich in ihrer Pflege eine gute Waffe erblicke und zur Bekämpfung jener indolenten Sprechweiſe, durch die unſere Jugend ſo barbarophoniſch geworden iſt. Wir wollen auch im Munde der Schüler etwas von der Kraft und Anmut unſrer Sprache erkennen; und wie ſchön klingt dieſe doch, wenn mit einer reinen und edlen Ausſprache ſich diejenige Gewähltheit des Ausdrucks ver⸗ bindet, die von Nachläſſigkeit und Anmaßung gleich weit entfernt bleibt.

¹) Vgl. Pöſchel a. a. O. 395. 402 ff. Schiller, Handbuch d. p. P., 3. Aufl. 611.

Beſprechung.