Aufsatz 
Ueber die deutschen Vorträge in Prima / von A. Baur
Entstehung
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Stellen der Themata.

Läusliche Vorbereitung.

II.

Im Nachſtehenden ſoll nun dieſe Methode in ihren Grundzügen näher dargelegt werden. Wir folgen dabei dem Gange, den ein Vortrag vom erſten Augenblick, von der Stellung des Themas an bis zu ſeiner ſchließlichen Beſprechung nimmt.

Am Anfang eines jeden Tertials werden die Aufgaben entweder alle oder doch zum größten Teil unter gleichzeitiger Beſtimmung der einzelnen Termine mitgeteilt. Dieſe letzteren ſind ſo zu berechnen, daß die Vorträge inhaltlich mit dem Klaſſenpenſum ziemlich gleichen Schritt halten; daß ſie etwas ſpäter fallen, wird ſich nicht immer vermeiden laſſen, unter keinen Umſtänden aber ſollen ſie dem Gange des Unterrichts vorgreifen. Dazu wird man mit Hülfe eines Specialplans und einiger Erfahrung wohl imſtande ein. Der Vorteil dieſes Ineinandergreifens liegt auf der Hand, und manches, was im Unterricht nur kurz berührt wird, kann in Vorträgen weiter ausgeführt und begründet werden. Dafür nur ein Beiſpiel. Um Leſſings Eigenart zu verſtehen, muß man durchaus den Zuſammenhang ſeiner kritiſchen Thätigkeit mit ſeinen eignen dichteriſchen Schöpfungen, die ja meiſt erſt durch jene hervorgerufen wurden, im Auge behalten; z. B. Schriften über Fabel und Epigramm eigne Fabeln und Epigramme, Hamburger Dramaturgie Emilia Galotti, theologiſche Streitſchriften und Abhandlung über die Erziehung des Menſchengeſchlechts Nathan der Weiſe. In der Stunde ſelbſt wird man über Andeutungen oft nicht hinauskommen; welche Fundgrube aber für Vorträge, dies im einzelnen zu erläutern und nachzuweiſen! Oder man denke an Shakeſpeare. Seine Königsdramen ſind außer König Johann und Heinrich VIII. zu zwei Tetralogieen verbunden, deren jede ein zuſammenhängendes, geſchichtliches Ganze darſtellt. Zum vollen Verſtändnis eines ihrer Dramen iſt doch mindeſtens die Kenntnis des vorhergehenden oder folgenden erforderlich; man kann nicht Heinrich IV. verſtehen, ohne Richard II. geleſen zu haben; und um voll⸗ kommene Einſicht in den Charakter und das Handeln Richards III. zu gewinnen, iſt ein Zurückgreifen auf den letzten Teil von Heinrich VI. wenigſtens wünſchenswert. Auch hier alſo eröffnet ſich von ſelbſt eine Fülle der ſchönſten Aufgaben. Eben dies ſind Fälle, in denen die Vorträge ſich nicht auf das im Unterricht ſelbſt Gebotene beſchränken, ſondern zu deſſen Erweiterung und Vervollſtändigung dienen müſſen; und hier iſt auch der Platz, wo man wohl einmal von der Forderung, daß alle Hörer mit dem Inhalt des Vortrags vertraut ſein müſſen, abgehen kann, um die Geſamtheit aus dem Privatfleiß eines einzelnen ihren Nutzen ziehen zu laſſen.

Die mitgeteilten Themata überlaſſe man, ſoweit es angeht, den Schülern zu freier Wahl; es wird dem Vortrag in Inhalt und Form zu ſtatten kommen, wenn der Redende ein ihm ſympathiſches Thema, das ihn möglichſt ganz erfüllt, behandelt. Auch iſt es das einzige Mittel, ein etwaiges Hervortreten perſönlicher Anteilnahme zu ermöglichen, und die Rede bei aller Veredlung durch die Kunſt zu einer wahr⸗ haft naturwüchſigen zu machen. 8

Von Vorteil mag es ſchließlich ſein, wenn der Lehrer gleich zu Anfang in kurzer Zuſammenfaſſung, die wichtigſten Geſichtspunkte mitteilt, die beim Ausarbeiten und der mündlichen Vorbereitung zu beobachten ſind. Wir werden denſelben im weiteren Verlaufe unſrer Darſtellung näher zu treten haben.

Schon oben mußten wir uns hinſichtlich der Frage entſcheiden, ob mündliche Vorbereitung oder ſchriftliche Ausarbeitung das Zweckmäßigere wäre. Welchem Wege man nun aber auch den Vorzug geben mag, jedenfalls rate man dem Anfänger, die Form nicht völlig der momentanen Eingebung zu überlaſſen. Mit beſonderer Sorgfalt müſſen Einleitung und Schluß behandelt werden, weil es zur Ruhe und Kalt⸗ blütigkeit weſentlich beiträgt, wenn man genau weiß, wie man das erſte zu ſagen hat, und weil bei der Wichtigkeit des Schluſſes es Vorſicht und Klugheit gebieten, möglichſt wenig dabei der ſpontanen Produktion anheimzuſtellen. Ich hebe dieſe beiden Punkte beſonders hervor, weil viele gerade hier die nötige Kraft und Gedrungenheit vermiſſen laſſen.