b. Mündliche Vorbereitung.
C. Schriftliche Ausarbeitung.
Stoffe.
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keit der Phraſe einen⸗Wert gewinne; und welche Zeit hätte mehr als die unſrige nötig, ſich des Unter⸗ ſchieds zwiſchen Phraſe und Rede bewußt zu bleiben?
Somit bleibt zu entſcheiden, ob mündliche oder ſchriftliche Vorbereitung zu empfehlen ſei. Mehrere um unſer Unterrichtsweſen hochverdiente Männer mißbilligen entſchieden die ſchriftliche Ausarbeitung und wollen nur eine mündliche Vorbereitung, höchſtens nach aufgeſchriebener Dispoſition, geſtatten. Die meiſten von ihnen verbinden damit die Forderung, daß alle Schüler dasſelbe Thema erhalten, und keinem vorher bekannt ſei, wer zum Sprechen kommen werde ¹). Hierauf würde wohl zunächſt die Bezeichnung„freie“(der Form nach im Augenblick entſtehende) Vorträge paſſen.
Und doch laſſen ſich gegen dieſes Verfahren Bedenken geltend machen. Zunächſt unterſcheiden ſich die ſo geſtalteten Vorträge vielfach gar nicht oder doch zu wenig von den oben beſprochenen Vorübungen, als daß es gerechtfertigt erſchiene, ſie als einen beſonderen Zweig dem deutſchen Unterricht aufzubürden. So⸗ dann liegt der Verdacht nahe, daß die Vorbereitung nicht mit derjenigen Gründlichkeit erfolge, die eine wirkliche Förderung des mündlichen Ausdrucks gewährleiſtet; und ſelbſt wenn ſie gründlich geweſen iſt, hat doch nur der eine, der zum Reden beſtimmt wird, einen wirklichen Nutzen davon. Auch der Rat, beim Meditieren einem und demſelben Gedanken verſchiedene Faſſungen zu geben, birgt ſeine Gefahr in ſich, denn wie leicht können beim Vortrag ſich zwei derartige Faſſungen kreuzen und den Fluß der Rede erſt recht ins Stocken bringen. Schließlich aber erſcheint auch hier die Beſorgnis nicht unbegründet, daß ſich der Vortragende leicht in die Breite verliert, wo er in die Tiefe gehen ſollte, und ſich in allgemeinen Phraſen herumtreibt, ohne es zu einer geſchmackvollen Behandlung des Gegenſtandes und der Sprache zu bringen.
Ich meine alſo: man gebe jedem Schüler ſein beſonderes Thema unter Angabe des Tages, an dem er zu ſprechen hat; er wird ſich um ſo eingehender mit ſeiner Aufgabe beſchäftigen und einen um ſo größeren Gewinn davon tragen. Man verlange aber auch ausdrücklich nach Inhalt und Form die ſorgfältigſte Vorbereitung, von der eine ſchriftliche Skizzierung oder Ausarbeitung nicht auszuſchließen iſt ²). Dieſe letztere würde ich nicht erzwingen, es aber dem Anfänger und dem Schwächeren auch nicht ver⸗ wehren, ſich derſelben zu ſeiner eignen Unterſtützung zu bedienen; stilus est optimus dicendi magister. Ich habe nur gute Erfahrungen mit den ausgearbeiteten Vorträgen gemacht. Vor allem war es mir wertvoll, zu erkennen, daß dieſelben durchweg korrekter und gewandter ſtiliſiert waren als die Aufſätze; ich ſchreibe dies der wiederholten und lauten Beſchäftigung mit den eignen Gedanken zu, die ſo in Inhalt und Form immer abgerundeter wurden. Auf dieſem Wege wird die Schule die Mehrzahl ihrer Zöglinge in den Stand ſetzen, ſpäter, wenn ſie im Leben ſtehen, auch ohne beſondere Vorbereitung über einen von ihnen beherrſchten Gegenſtand ſich klar, zuſammenhängend und überzeugend auszuſprechen.
Die wichtigſte Vorbedingung aber für eine erſprießliche Behandlung bleibt die richtige Wahl der Stoffe. Wie in der Beſtimmung des Zieles, ſo hat auch hier die frühere Zeit ſchwere Mißgriffe be⸗ gangen. In dem falſchen Beſtreben, die Schüler zu„Rednern“ auszubilden, ließ man ſie förmliche„Reden“ halten, die mit dem Gange des Unterrichts nur im loſeſten Zuſammenhang ſtanden und vielfach ein völliges Heraustreten aus der eignen Perſönlichkeit forderten ³). Ganz abgeſehen von der inneren Un⸗ wahrheit, die in ſolchen Aufgaben liegt, konnten ſie leicht den einzelnen zu einer gefährlichen Ueberſchätzung ſeiner Kräfte verleiten und ſo das unſchätzbare Gefühl der Beſcheidenheit und Anſpruchsloſigkeit in der
¹) Dir. Conf. Pomm. 1891, vgl. Ztſchr. f. d. G. W. 47(1893) 377. Verſ. Rhein. Schulm. Köln 1892 in Ztſchr. f. d. G. W. 48(1894) 61. Schiller in Ztſchr. f. d. G. W. 44(1890) 20. Laas, Der deutſche Unterricht, 2. Aufl⸗- 161 f. Schrader, Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre, 468. Klaucke, Deutſche Aufſätze und Dispoſ. 33. Lehmann, Der deutſche Unterricht, 95— 97. Pöſchel a. a. O. 395 ff.
²) In dieſem Sinne ſprechen ſich aus Dir. Conf. Pomm. 1861. Schleſ. 1870. Pomm. 1876. Preuß. 1886. Neue Lehrpl., Berlin 1891, 15 f.
3) So Doering, Progr. Freiberg 1846. S. 9. 11. 12.


