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Andern zuerst als die Einsichtsvollen die Beschirmer der Freibeit der Hellenen abzugeben und ihre Retter aber nicht ihre Verderber zu heissen und ob ihrer Hochherzigkeit überall geachtet den Ruhm der Vorfahren wieder zu erlangen“(141).
Zum Schlusse will ich noch das anführen, worauf alles bisher Gesagte abzielt:„Wenn wir die Verläumdungen unserer Gegner entkräften wollen, wenn wir den unnütz unternom- menen Kriegen ein Ende bereiten und uns für immer die Hegemonie erwerben wollen, so müssen wir alle Tyrannenherrschaftsgelüste zurückdrängen und die königlichen Regierungen in Sparta uns als Vorbild nehmen.“ Thun wir das, dann können wir als Staat dieselbe Stellung unter den hellenischen Staaten einnehmen, wie die Könige der Lakedämonier unter ihren Landsleuten, d. h. wir werden geehrt und von allen geschützt sein, da wir für alle die Ursache nicht ihrer Knechtung, sondern ihrer Rettung sind(142— 144).
lch könnte noch mehr hierüber sagen, aber die Länge der Rede und mein hohes Alter verbieten mir das. Ihr jüngeren Leute aber schreitet auf der von mir betretenen Bahn fort und ermahnt besonders die grösseren Städte zur Tugend und Gerechtigkeit zum Nutzen der Hellenen und der Philosophen(145).*
Aus dieser ausführlichen Inhaltsangabe ist leieht zu ersehen, dass Isocrates bei der Ab- ſassung seiner Friedensrede keineswegs die Absicht hatte, zu dem Friedensschlusse mit den Bundesgenossen etwas beizutragen; seine Bemerkungen hierüber sind sehr kurz(von§ 19— 25), nein, das Hauptgewicht seiner Ausführungen liegt in dem Vorschlage, einen ewigen Frieden mit allen Hellenen zu schliessen. Er zeigt den Athenern ihre verrotteten Zustände und seine Vorschläge zur Besserung der Athenischen Verhältnisse gipfeln darin:„Gebt die Seeherrschaft auf.“ Wird dieser Rath befolgt, dann wird Athen nach der Ansicht des Isocrates eine immerwährende auf freiwillige Unterordnung der Hellenen beruhende Hegemonie erringen.
Wann hat nun lsocrates diese Rede geschrieben?— Isocrates ist mehrere Male aus der Rolle gefallen und hat den Zeitpunkt der Situation, welche der Rede zu Grunde liegen soll, vergessen, z. B. in den§§ 42— 46, 50, 55, 134 u. a. Dort meint Isocrates den Chares und unzweifelhaft dessen Benehmen im Bundesgenossenkrieg. ¹) Ueberhaupt beziehen sich die §§ 49— 56 auf Ereignisse des Bundesgenossenkrieges.— Durch die ganze Rede zieht sich ein Ton der Bitterkeit gegen die Staatsmänner, welche„mit fremdem Gelde Krieg“ führen. Oncken sagt S. 95 f.:„Die unablässigen Kriege verletzen nicht nur das friedliebende Herz des Isocrates, sondern auch— seinen Geldbeutel. Die ewigen Kriegssteuern machen dem vermöglichen Manne das Leben sauer, so dass er wünschen möchte, stets arm geblieben zu sein, und die Flucht der Fremden aus der Stadt macht sich auch in den Hörsälen des ge- suchtesten Professors der athenischen Hochschule fühlbar.“ Wahrscheinlich hat Oncken Stellen wie§ 12 a. E., 13, 20, 117, 128 und bis 145(vergl. Benseler z. d. St.) im Auge gehabt. Was liegt näher als diese Klagen in Verbindung zu bringen mit den Kriegssteuern des Bundes- genossenkrieges und mit den zwei Processen wegen Vermögenstausch, welche Isocrates im Jahre 356(und vielleicht 355) ²) zu bestehen hatte?— Nehmen wir noch die§§ 15 und 25
¹) Vergl. Aristoteles, Rhetorik III, 17 und Benseler zu§ 134. ¹) Blass S. 66.


