Aufsatz 
Über die Abfassungszeit der Isocrateischen Friedensrede / von Euler
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hinzu, welche, wie wir oben sagten, auf das Vorhandensein des Friedens bei Abfassung und Veröffentlichung der Rede deutlich hinweisen, so werden wir als Termin, nach welchem erst die Rede geschrieben ist, den Frieden mit den Bundesgenossen ansetzen müssen.

Fassen wir diesen späten Termin und den eigentlichen Zweck der Friedensrede in's Auge, so erklärt sich die Unbestimmtheit der Angaben über den fingirten Termin der Rede(siehe oben S. 11) aufs einfachste. Es kam dem lsocrates nur darauf an, einen Anknüpfungspunkt zu haben, um seine Ideen über den immerwährenden Frieden zu entwickeln. Alles was dazu hätte beitragen können den Frieden mit den Bundesgenossen herbeizuführen, liess er weg, weil es für seinen Zweck unwesentlich war.

Wir setzen also die Abfassungszeit unserer Rede in die Jahre nach dem Friedensschluss.

Einige Stellen im Areopagitikus geben uns vielleicht einen Anhalt für einen noch genaueren Ansatz. ¹) Dort finden wir§§ 72 und 73 einen Tadel des Isocrates gegen die damaligen Athener, die entarteten Söhne edler Väter, er ermahnt sie, sich an der Tüchtigkeit der Vorfahren und nicht an der Schlechtigkeit der 30 Tyrannen ein Muster zu nehmen. In§ 74 fährt er fort,Und dies sage ich jetzt nicht zum ersten Male, nein, ich habe es schon öſter und vielen Leuten gesagt. Denn ich weiss, dass jedes Land seine ihm eigenthümlichen Bodenerzeugnisse hat und dass unser Land Männer hervorbringen kann, die zu allen Künsten und Wissenschaften und besonders zur Mannhaftigkeit und Tugend hoch begabt sind. Dies führt Isocrates dann näher aus und sagt§ 77Und hierüber habe ich schon früher geredet und werde noch mehr darüber sprechen. Wenn wir mit diesen beiden Stellen den§ 94 unserer Rede vergleichen, Es haben unsere Vorfahren nicht nur ihren Nachkommen die Stadt in grösstem Wohlstande übergeben, sondern auch ein unsterbliches Andenken an ihre eigene Trefflichkeit hinterlassen. Hieraus lässt sich zweierlei abnehmen, nämlich in Betreff auf unser Land, dass es bessere Männer als andere zu nähren vermöge und dass u. s. w. so ist es wohl nicht zu kühn anzunehmen, dass lsocrates als er die§§ 7277 des Areopagitikus schrieb,§ 94 der Friedens- rede im Auge hatte, dass also letztere vor dem Areopagitikus geschrieben ist. Nehmen wir als Abfassungszeit der letzteren Rede spätestens den Beginn der Jahre 354 an, ²) so müssen wir die Abfassung unserer Rede in die Zeit vor 354 und nach dem obigen Resultate in die Jahre nach dem Frieden mit den Bundesgenossen, also wohl in das Jahr 355 verweisen.

¹) Vergl. Blass S. 279, 1. ¹) Blass 279, Anm. 1.