Aufsatz 
Über die Abfassungszeit der Isocrateischen Friedensrede / von Euler
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Wenn ihr nun auf meinen Antrieb einmal nachdenkt, so werdet ihr finden, dass sowohl Sparta als Athen durch übermüthigen Gebrauch seiner Macht von seiner Höhe herabgesunken ist(116), ihr werdet auch einsehen, dass das arme Megara qurch seine Besonnenheit reich, das reiche Thessalien durch Zügellosigkeit und Uebermuth arm geworden ist. Die Besonnen- heit lobt ihr zwar im Privatleben, im Staatsleben jedoch haltet ihr sie für überflüssig. Und doch muss gerade ein Staat sie gebrauchen, da an ihm, wegen seiner die einzelnen Menschen überdauernden Existenz nichts ungerächt bleibt(117 120). Desshalb müssen wir nicht solche Berather zu Hülfe nehmen, welche zwar die Stadt zu lieben vorgeben, ihr aber in Wirklich- keit unnennbaren Schaden zufügen, unter deren Leitung die Stadt zweimal dem Untergange nahe war(121 124). Trotz aller dieser üblen Erinnerungen freuen wir uns doch über die Schlechtigkeiten dieser Redner, welche eine Menge Bürger vertrieben haben, selbst reich werden und Athen überall in Misskredit bringen(124126). Perikles hinterliess ein kleineres Ver- mögen als er vorher hatte, während diese Leute reich werden; die Bürger sind theils ganz arm, theils werden sie durch die Staatsleistungen arm(127 129). Ich begreife nicht, wie ihr die Gemeingefährlichkeit dieser Sorte von Rednern nicht einseht, welche nicht daran denken, den Armen Geld zu verschaffen, sondern die alle den Armen gleich machen wollen, weil sie wissen, dass Leute, welche eigenes Vermögen verwalten, auch für den Staat das Beste aus- denken, dass aber Leute, welche vom Richter- und Buleutensolde leben, sehr dankbar sind für Sykophantenanzeigen und Erpressungen(130 131) Wie soll das nun anders werden? ich habe nicht der Reihe nach geredet, sondern wie es mir gerade einfiel, darum will ich jetzt recapituliren.(130 132).

1) Rathgeber im Staate müssen diejenigen sein, welche auch ihr eigenes Vermögen gut verwalten können; auch dürfen wir die Sykophanten nicht volksfreundlich, die biederen und rechtlichen Männer aber oligarchisch nennen, da von Natur Niemand eins von Beiden ist, son- dern nur jeder die Staatsform haben will, in welcher er geehrt wird(133).

2) Die Bundesgenossen wollen wir nicht nur dem Worte, sondern auch der That nach als Freunde behandeln, da wir zwar stärker als jeder einzelne von ihnen aber schwächer als die Gesammtheit sind(134). 2

3) Achtet ausser der Gottesfurcht nichts höher als bei den Hellenen in gutem Rufe zu stehen(135).

Wenn ihr hieran festhaltet, und immer kriegsgerüstet dasteht, dabei aber friedlich und gerecht seid, so werdet nicht nur ihr, söndern auch alle Hellenen werden glücklich sein(136). Kein Staat wird wagen etwas Unrechtes zu thun, aus Furcht vor uns. Wir aber werden von Allem den Vortheil haben(137). Denn, wenn alle Staaten friedlich sich verhalten, so wird man uns als die Ursache davon ansehen; versucht aber ein Staat unrecht zu handeln, so werden alle zu uns kommen und uns die Hegemonie anbieten, so dass es uns an Bundesgenossen nicht fehlen wird. Wer möchte dann nicht gerne unsere Bundesgenossen werden, wenn wir kräftig und gerecht sind, allen helfen und selbst keiner Hülfe bedürfen?(138 139). Dann wird unsere Stadt einen grossen Aufschwung nehmen, Reichthum erlangen und Lob erringen (140). Doch ich kann nicht alles aussprechen,was ich wohl im Geiste durchschaue, ausser dass es rühmlich ist, mitten unter dem ungerechten und wahnsinnigen Gebahren der