Aufsatz 
Über die Abfassungszeit der Isocrateischen Friedensrede / von Euler
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Ebenso schlecht geht es in der inneren Verwaltung. Wir wollen Autochthonen sein und haben eine schlechtere Verwaltung als die erst jüngst gegründeten Städte(49), wir verschleudern unser Bürgerrecht und halten die Gesetze so schlecht, dass wir bestochene Leute, anstatt sie zum Tode zu verurtheilen, zu Feldherrn wählen(50). Die Friedensredner halten wir für Oligarchen, während doch der Krieg schon zweimal uns an den Rand des Verderbens gebracht hat(51). Die Beschlüsse, die wir heute fassen, werfen wir morgen um, und während wir die gescheidtesten Leute sein wollen, vertrauen wir denen als Rathgeber, welchen in Privatangelegenheiten Niemand einen Pfennig anvertrauen würde(52). Einge- standenermassen schlechte Menschen nehmen wir als Berather an(53). Während unsere Vor- fahren dieselben Leute zu Feldherrn und zu Verwaltern der höchsten Staatsämter wählten, senden wir Leute als Feldherrn hinaus, die in Staats- und Privatangelegenheiten Niemand als Rathgeber haben möchte, als ob solche Menschen im Felde tüchtiger würden. Und derartige Dummheiten begehen wir massenhaft(53 56).

Auf die Frage von Leuten, die sich getroffen fühlen,warum es trotzdem dem athenischen Staate nicht schlechter gehe als den anderen? antworte ich,weil unsere Gegner dieselben Fehler machen. Aber darauf können wir uns nicht verlassen, denn nicht auf fremden Fehlern, sondern auf eigener Kraft und Einsicht ruht ein fester Staat(57 60).

Wenn ich nun gefragt würde, welchen positiven Rath ich euch geben soll, so müsste ich euch eine nicht gerade angenehme Antwort geben(61 62). Dass zum glücklichen Leben Frömmigkeit, Mässigung, Gerechtigkeit überhaupt die Tugend nothwendig ist, habe ich schon vorher gesagt. Wie wir am raschesten an dieses Ziel gelangen, will ich jetzt angeben, wenn es auch anscheinend sonderbar klingt(63). Gebt die Seeherrschaft auf! Sie allein hat uns in diese Wirren gebracht(64). Verurtheilt mein Unternehmen nicht, wenn ich zeigen vill, dass die Seeherrschaft 1) ungerecht, 2) nicht leicht aufrecht zu erhalten und 3) nicht nutz- bringend für euch ist(65 66).

Sie ist ungerecht; das habt ihr durch euer Benehmen den herrschenden Lakedämoniern gegenüber gezeigt, alles was ihr gegen diese gesagt habt, gilt auch für euch(67 68).

Dass sie nicht leicht aufrecht zu erhalten ist, ersieht man daraus, dass, wenn wir sie mit ungezählten Talenten nicht halten konnten, wir es bei unseren jetzigen Einnahmen erst recht nicht können(69).

Aber selbst wenn die Geldverhältnisse es uns erlaubten, die Seeherrschaft bringt uns keinen Nutzen. Doch ich will noch folgendes vorausschicken(60). Wenn ich euch jetzt ermahne, so könnte es scheinen, als ob ich nur schimpfen wollte; das will ich aber nicht. Beide Arten der Rede sehen sich allerdings ähnlich, aber man darf sie nicht mit einander verwechseln, sondern man muss den, welcher ermahnt, loben(7173).

Die Schädlichkeit der Seeherrschaft zeigt sich an einer Vergleichung der Zeit vor der- selben, mit der Zeit während derselben(74).

In der Zeit vorher waren die Staatsmänner besser als sie jetzt sind, das Volk war tapfer und besass das Vertrauen aller Staaten, so dass sich die meisten ihm freiwillig unterordneten (75 76). In der Zeit während der Seeherrschaft wurde das Volk zügellos und verlor bei den Bundesgenossen allen Kredit. Doch um euch nicht zu erzürnen, will ich das Schlimmste-