Aufsatz 
Über die Abfassungszeit der Isocrateischen Friedensrede / von Euler
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verjagten Bewohner flohen nach Athen und baten um Hülfe. In der Volksversammlung, in welcher hierüber berathen wurde, will der Plataikus gehalten sein, und zwar als noch Frieden war; es geht dies aus§ 43ν πἀdμν νεκνναιυα rr6 1⁸⁴ ⁵ε deutlich hervor. An anderen Stellenwird schon auf einen Krieg mit Sparta Bezug genommen, der nach Stellen wie§ 33 a. E., 38, 43 f. mindestens in Sicht, nach§ 21 mπeπαες ν⁵ο⁸ xονε εντονασι d oftèg oemυοοοσ τμν σρινιμμαἀεμσν raνν τοαeςάαηνε und§ 11,Gs uerd Aau⁵dαμονεναν ενππιαεινιοννμέμ εα rrdσ νμρμαάνμ dιαᷣνεiœnνses u σeιιμσνεοοωνσα ITerro, ναακ aber schon im Gange sein muss,da diese Erklärungen nur dann Gewicht haben konnten(Schäfer, De- mosthenes und seine Zeit I, 61, 2). Hierzu kommt, dass zwar Thespiae zur LZeit der fingirten Verhandlungen noch nicht zerstört war(§. 9), dass aber auf seine künftige Zerstörung(§ 18) Bezug genommen wird; ein Grund anzunehmen, dass zur Zeit, als die Rede ausgearbeitet und herausgegeben wurde, Thespiae schon zerstört war. Ausserdem ist es bei der kurzen Dauer des oben angeführten Friedens schon von vornherein wahrscheinlich, qass Isocrates mit der Ausarbeitung dieser Rede erst nach Ausbruch der Feindseligkeiten fertig geworden ist. Wir sehen also, dass Isocrates eine Rede auch dann noch ausarbeitete und sie der Veröffentlichung für werth hielt, wenn sie einen praktischen Erfolg nicht mehr haben konnte. Noch mehr; Isocrates nahm schon längst vergangene Ereignisse zum Vorwurf einer Rede, wofür wir ein Beispiel in demArchidamus besitzen, welcher erst 9 10 Jahre nach der zu Grunde gelegten Situation geschrieben ist Gergl. Blass a. a. O. S. 30 und 264). Aus diesen Beispielen folgt für die Beantwortung unserer Frage, dass der Zeitpunkt der fingirten Situation nicht bestimmend ist für die Feststellung der Zeit der Abfassung und Veröffentlichung.

Im gritten Theile seiner Untersuchung(S. 135 151) kommt Oncken zu dem Ergebniss, 1) dass der Bundesgenossenkrieg durch eineneigenmächtigen Angriff des Chares auf das reiche Chios veranlasst wurde, welches gegen seine im Bundesvertrage gewährleistete Freiheit gezwungen werden sollte, in irgend welcher Weise die Mittel zu den Unternehmungen gegen Amphipolis zu gewähren und 2) dass die Abfassung der Rede in die Zeit fällt,welche zwischen diesem Angriff und der vollendeten Heeresrüstung der Athener zur Unterstützung des Chares liegt.

Ueber den ersten Theil dieses Resultates können wir hier hinweggehen; sehen wir zu, worauf Oncken den zweiten Theil des Ergebnisses stützt. Einen festen Punkt, nach welchem die Rede geschrieben sein muss, gewinnt er aus§ 22, nach welchem Philipp Amphipolis schon in seinem Besitz hat.(Dieselbe Ansicht hat schon Benseler S. 202 gegen Christian begründet.) Es muss demnach die Rede nach 357 und kann- nach den früheren Resultaten nicht unmittelbar vor dem Frieden im Jahre 355 geschrieben) sein. Wie kommt nun Oncken dazu, unsere Rede gerade in die Zeit zu setzen, welche zwischen dem Handstreich des Chares und der Volksversammlung liegt, in welcher das athenische Volk beschloss dieSache des Feldherrn zu seiner eigenen zu machen? Ich habe bei Oncken gerade für diesen Ansatz keinen Grund gefunden. Ueber die§§ 19 21(siehe oben S. 6.) hilft sich Oncken hinweg, indem er sagt, er habe sich infolge des Handstreiches des Chares

1) Selbstredend Onckens Ansicht.