Aufsatz 
Über die Abfassungszeit der Isocrateischen Friedensrede / von Euler
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lassen. Davon sagt Benseler kein Wort, er schliesst nur aus der Art und Weise, wie in beiden §§(15 und 25) über den Friedensschluss und über das, was nach demselben zu geschehen habe, geredet wird, dass ein solcher bereits bei Erscheinen der Rede vorlag.

So wenig bis jetzt die Ergebnisse der Untersuchungen Onckens uns befriedigen konnten, so richtig sind die Bemerkungen derselben, welche er über die Stimmung macht, die in Athen geherrscht haben muss zu der Zeit, in welcher die Rede gehalten sein will. Mit Recht macht er darauf aufmerksam, dass Isocrates sich als Sprecher der Opposition geberdet, dass er sich unter die Redner rechnet, die das Volk nicht einmal anhören will; er verweist auf§ 5 ff. und 12 und kommt zu dem Ergebniss, dass die Rede nicht zu einer Zeit als gehalten be- trachtet werden kann, wo im Volke das Bedärfniss nach Frieden lebte, wie es am Ende des unglücklichen Bundesgenossenkrieges doch der Fall war.

Ueber den zweiten Theil S. 127 134, in welchem Oncken von den Thatsachen handelt, deren Erwähnung doch schliesslich über die Zeit der Abfassung entscheiden muss können wir uns kurz fassen. Es ist richtig, Isocrates hätte den unglücklichen Verlauf des Krieges ausbeuten müssen, wenn die üngirte Situation kurz vor den Friedensschluss fiele und hätte sicher, besonders wenn wir die Stelle Antid.§ 138139 beachten, über Timotheus nicht in so allgemeinen Ausdrücken reden dürfen. Onckens Resultat ist völlig richtigwährend Benselers Ansicht nicht durch die Erwähnung eines einzigen Ereignisses aus dem Sonderbunds- kriege erhärtet werden kann, beweist die Nichterwähnung einer Thatsache(Timotheus' An- klage) im Zusammenhange mit ausdrücklichen Angaben des Redners selbst, dass seine Rede nicht im Jahre 355 geschrieben sein könne nur muss es heissen, dass der fingirte Zeitpunkt der Rede nicht in das Jahr. 355 fallen kann.

Hiermit kommen wir auf einen Punkt zu sprechen, welchen Oncken gänzlich übersehen hat; er scheidet nicht zwischen dem Zeitpunkt, welcher der Rede zu Grunde liegen soll und dem der Abfassung und Herausgabe. Wie wir oben in den Vorbemerkungen gezeigt haben, liegt zwischen beiden meist ein grösserer Zeitraum. Isocrates war keiner der grossen Geister, welche im politischen Leben stehend, nach allen Seiten Verbindungen unter- haltend durch politischeBroschüren für die von ihnen als richtig erkannte Ansichten Propa- ganda zu machen suchen; er war ein Lehrer der Beredsamkeit, welcher sich Themata zu seinen Musterreden aussuchte, die ihm Gelegenheit boten, seine Kunst leuchten zu lassen. Bot ihm nun irgend ein politisches Ereigniss einen geeigneten Stoff zu einer Rede, so griff er es auf und bearbeitete es. Hierzu brauchte er längere Zeit und so konnte es vor- kommen, dass er auf Ereignisse Bezug nahm, welche zu der Zeit, in weleher die betreffende Rede gehalten sein will, noch gar nicht vorauszusehen waren. Derartige vaticinia post eventum ſinden wir z. B. im Plataikus. Im Jahre 373 hatten Athen und Sparta mit ihren Verbün- deten oauf Veranlassung Athens Frieden geschlossen, in welchem im wesentlichen der Antal- kidasfrieden bestätigt wurde,alle Staaten ob gross oder klein sollten ihre Selbständigkeit besitzen(vergl. auch XIV, 10.). Diesem Frieden waren die Thebaner, allerdings erst nach- träglich,(vergl. Weissenborn, Zeitschrift f. A. W. 1847, S. 921) beigetreten; es war ihnen jede Vorortschaft in Böotien abgesprochen worden. Während dieses Friedens(vergl. XIV, 1, 5, 14, 23, 39, 43 f.) zerstörten die Thebaner ohne jeden rechtlichen Grund Platäã. Die