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dass ihm im„eigenen Hause sofort die Stimme stockte, sobald ausser dem gewohnten Schüler- kreise noch ein Fremder zugegen war.“²) Es ist ganz natürlich, dass es dem Isocrates welcher ein sehr stark entwickeltes Selbstbewusstsein hatte(vergl. Stellen wie IV, 3, 10, 14; V, 82; X, 1—14; XII, 9, 260; XV, 161, 258— 278; ep. I, 9) sehr schmerzlich war, nicht öffentlich als Redner auftreten?²) und als Staatsmann bei der Leitung der athenischen Ange- legenheiten thätig sein zu können. Um jedoch die guten Rathschläge, welche er seinen Mit- bürgern besser als andere geben zu können glaubte, nicht unausgesprochen lassen zu müssen, verwerthete er seine Gedanken schriftstellerisch, legte seine Rathschläge in Reden oder Briefen nieder und versuchte auf diese Weise politischer Berather seiner Vaterstadt, der Hellenen und hochgestellter Männer zu werden(vergl. V, 82, XII, 1 ff. und andere Stellen). Die Früchte dieses Bestrebens liegen uns in seinen Staatsreden und Briefen vor.
Ausser dem Streben des Isocrates politisch zu wirken, welches aus dem Bewusstseins) entsprang, Besseres als die gewöhnlichen Staatsredner leisten zu können bewog ihn zu dieser schriftstellerischen Thätigkeit der Wunsch durch eine glanzvolle rhetorische Behandlung) seiner Themata sich hervorzuthun(„d'τναα t τμενν, s oddels ν αἀχι⁴dος döνανο.“). Dieser rhetorische Zweck lässt sich in allen seinen politischen Schriften verfolgen, er läuft stets neben dem politi- schen her, und man könnte im Zweifel sein, welehen er mehr im Auge gehabt habe, ja es liegt sogar die Frage nahe, ob nicht die Politik nur der Untergrund gewesen sei, auf welchem er seinen glänzenden Stil habe leuchtend hervortreten lassen wollen. Sei dem, wie es vill, jedenfalls hat die Rhetorik auf die Auswahl und die Behandlung der Themata einen tief- gehenden Einfluss gehabt. Isocrates musste, um seine rhetorische Kunst zeigen zu können, einen Vorwurf haben, welcher von vielen Seiten angefasst werden konnte, welcher Gelegenheit bot, das„Paradeross prunkender Beredsamkeit weidlich zu tummeln.“ So bieten ihm z. B. die Ideen der Einheit und Freiheit der Hellenen und des Kampfes gegen die Perser Gelegen- heit zu einer Reihe von Reden und Briefen. Zuerst wendet er sich in seinem berühmtesten Werke, dem Panegyrikus, an seine Vaterstadt, dann an Dionys den Aelteren, hierauf an Archidamus, den Sohn jenes Heldenkönigs, welcher allein zur Zeit des Isocrates mit Erfolg gegen die Perser zu Felde gezogen war, und als auch dieser seine Hoffnungen nicht erfüllte, trug er in seinem Philippus in unheilvoller Verblendung dieselben Ideen dem„Nachkommen des Herakles“ dem Makedonierkönig Philipp vor. 5)— Derartige Themata arbeitete der Rhetor Isokrates selbstverständlich sorgsam aus, wodurch erklärlich wird, dass zwischen dem LZeit-
¹) Blass, a. a. O. II, 14, 1, welcher Zosim. S. 254, 33 und Ath. XIII. 592 B citirt.— Vergl. auch
Blass S. 92, 3.
²) Wie er die Leute beurtheilt, welche hierzu nicht im Stande sind, zeigt Panath. 10:„odr νας 8„dενς ανοεωέμειιν ⁸ενερ, τυόμ̈ mεννασσμν Jνναινν*ε⁵ρμνππνν TTα πμημ̈ν☛OoᷣpoõͥOΤX¶⅛ iwus * τοέιmς, σ b'X 04 ar i dοs υαυννντττι³ιτνν ol 1u0¹ TvX νε⁸εε Aιεμσοο τπτει⁴ 6oXoντυα ⁵ετςσες τ dοxesν dAέανιi τιιοο ενααα τmν 6 εααννυ 1 dαοσ τς μινν ꝙν Særeicεεν τ ταάατα̈νQνσG ͥ₁D“ s4 idss drεααιν,? dοι⁶ειρσο dνν τν σανσισν μενειιαάρα‿[Gæν
³) Ob dieses gerechtfertigt war oder nicht, kommt hier natürlich nicht in Frage.
⁴) 16„½ odg dnaαντeς d rσειαν εμοιιοεεοοων stvα τιος με‿ μοωιασιας ναα υννμινν TrSrrOνμρμρννιισι τ⁷ςσ εe diαααανο⁴ᷣ dεyοπμ⁵εμνοισ Antid. 46. Vergl. IV, 11; XII1 f.
⁵) Dass er sich auch an Jason gewendet habe, bezweifele ich, da er bei seiner Eitelkeit V, 119 f. sicher etwas davon gesagt hätte; doch sieche Blass S. 81, 5.


