Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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alſo leichter noch ein Sieg erfochten über das netzartig aus dem natürlichen Menſchen berauswuchernde tauſendarmige Polypengewächs der wunderfeinlichen Verſtandsabſtrak⸗ tion. Gefühl und Phantaſie behaupten noch ihr Recht und kämpfen mit. Die flecken⸗ loſe Reinheit und univerſalhiſtoriſche Größe des Meiſters aus Jerael, die Kosmopo⸗ litik ſeines Planes und die hochheilige Abſicht ſeines Reiches überwältigen das junge Gemüth, und die Aergerniß an Chriſto muß ſich verkriechen. Die beginnende Praxis in ſo unausſprechlich erhabenem Dienſte kommt ſelbſt nun noch hinzu; das prak⸗ tiſche Eindringen in den göttlichen, allen Verſtand der Verſtändigſten weit überragen⸗ den Gehalt des Evangeliums von Amtswegen zum Zwecke unmittelbarer Bauung des Reichs gewährt die längſt gehoffte, doch nie noch ſo ſeelig geahnete Befriedigung und verſcheuchet vollends die Anfechtungen; die ſüßen Erſtlinge von den Früchten evange⸗ liſcher Arbeit werden mit Jubel eingeſammelt; der Ernſt und der Eifer im heiligen Dienſte werden von der Gemeinde des Herrn anerkannt; es weben ſich die zärteſten Fäden einer gegenſeitigen Liebe zwiſchen Hirte und Schaafen; und ſiehe, nun iſt der Sieg über alle Aergerniß an Chriſto dem angehenden Diener des Evangeliums geſi⸗ chert, keine Anfechtung mehr macht ihn wankend, und ſeine Freude iſt unausſprechlich. Unerſchütterlich im Glauben ſteht nach überwundener Verſuchung der Knecht des Herrn da, alle Aergerniß an Chriſto iſt abgethan, denn gründlich und für immer hat ſie der Jünger gleich im Anfange überwunden.

Sie werden demnach mir nicht widerſprechen, meine Herren, wenn ich behaupte, daß doppelt ernſt grade angehenden Dienern des Evangeliums die Mahnung Jeſu gilt: Seelig iſt, der ſich nicht an mir ärgert. Sie werden aber auch ermeſſen, von welch einer entſcheidenden Wichtigkeit für Sie deßhalb grade der Zeitabſchnitt iſt, wel⸗ chen Sie hier verleben werden und heute beginnen. Als Anfang im Dieuſte des Evan⸗ geliums iſt er zur völligen Austreibung und gründlichen Vorbeugung alles Aergerns an Chriſto der allergecignetſte. Fürchten Sie nun ja nicht, daß hier am Seminare auf Ihre religiöſen Gemüther eine elende, unvernünftige, vergebliche Glaubensjagd der Orthodorie verſucht werden wird; trauen Sie uns Lehrern der Anſtalt mehr proteſtan⸗ tiſches Bewußtſein, mehr Vernunſt und mehr Sinn wiſſenſchaftlicher Freiheit zu, prü⸗ fen Sie, was wir beſcheiden und mit redlichem Willen Ihnen bieten werden, und was Ihnen gut dünkt, dehalten Sie. Aber das vergeſſen Sie doch nicht, daß Sie, abge⸗