Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
Einzelbild herunterladen

- 12

wußtſein unſerer Zeit jene Richtung gegen die Kindertaufe nicht leichteren und raſcheren Eingang findet, da gegen ſie mit ſogenannten rationaliſtiſchen Gründen ſich gar nicht ſtreiten läßt. Man würde gewiß hieraus auf ein unbewußt ſich geltend machendes Glaubensbedürfniß der Kindertaufe ſchließen können, wenn nicht der Anabaptismus ſich noch mit einer, ſeiner urſprünglichen Entſtehung ganz fremden, Werkheiligkeit um⸗ geben hätte.

Gegen die neuere Regung des Anabaptismus hat ſich beſonders die Schrift Martenſens ¹) gerichtet, da dieſe Bewegung die däniſche Kirche ſcheint mehr er⸗ griffen zu haben, als man jetzt noch in der deutſchen Kirche davon reden dürfte. Er bezeichnet ſie richtiger als Baptismus.Die baptiſtiſche Verwerfung der Kindertaufe beruht auf der Anſicht, daß die Taufe nur Bedeutung habe als eine freie ſelbſtbewußte Handlung, als Taufe Erwachſener, welche ſchon wiedergeboren und gläubig geworden ſind, und für welche die Taufe nur cine äußerliche ſinnliche Beziehung iſt der inneren Gnadengabe, welche unabhängig von jener ihnen zu Theil geworden iſt. Das ſelbſt⸗ bewußte perſönliche Glaubensleben, unmittelbar empfangen aus den Wirkungen des beil. Geiſtes in der Seele, iſt dem Baptismus Kern und Weſen des Chriſtenthums, während die Sacramente ihm nur ſinnbildliche Zeichen und Abſchattungen ſind. Ob⸗ gleich dieſe Anſicht zunächſt einen Anhalt findet in der Betrachtungsweiſe der refor⸗ mirten Kirche vom Verhältniſſe des Glaubens zum Sacrament, ſo hat doch das ein⸗ ſeitige Hervorheben des ſubjectiven, bloß perſönlichen Chriſtenthums, ſchon ſeit langer Zeit auch in den lutheriſchen Gemeinden Eingang gefunden. Die Denkweiſe, welche durch den Pietismus, wie durch den Rationalismus verbreitet worden iſt, hat eine Anſicht von der Kirche und den Gnadenmitteln erzeugt, welche nicht ſowohl dem Bap⸗ tismus den Weg gebahnt hat, als vielmehr den Keim des Baptismus im eignen Schooſe trägt. Wendet man die Aufmerkſamkeit auf die proteſtantiſchen Predigten im jüngſt verfloſſenen Zeitraume, in welchen die herrſchende Dogmatik ſich nothwendig ſpiegeln mußte, ſo iſt es eine hiſtoriſch begründete Behauptung, daß die Bedeutung

17) Martenſen, H., Die chriſtl. Taufe u. die bäptiſtiſche Frage. Hamb. n. Gotha 1843.

S. 1 ff. . 3*