Aufsatz 
Apologetische Würdigung der Kindertaufe
Entstehung
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nöthig. Das Einzige, was bier unbedenklich zugegeben werden kann, iſt nur das, daß durch Auguſtins Vorſtellungen die Kindertaufe vielleicht raſcher zu ihrer allgemei⸗ nen Ausbreitung hingetrieben worden ſei.*3) Denn Cöleſtius, der Gefährte des Pe⸗ lagius, mußte geſtehen: Infantes debere baptizari sccundum regulam universalis ecclesiae et secundum evangelii sententiam conſitemur, quia dominus statuit, reg- num coclorum non nisi baptizatis posse conferri, quod, quia vires nalurae non ha- bent, conferri necesse est per gratiae largitatem. Aber ſelbſt zu der angenommenen raſcheren Verbreitung wirkten noch andere Factoren mit, nämlich daß die Proſelpten⸗ taufe und das Aufſchieben der Taufe Erwachſener immer ſeltner wurde. Als eben dadurch die noch länger beibehaltenen kirchlichen Taufzeiten aufhörten, war die Kinder⸗ taufe allgemein geworden, ohne daß die Dogmatik Auguſtins ſich in beſondrer Weiſe dafür wirkſam gezeigt hätte.

Von nun an erhebt ſich nirgends mehr ein berückſichtigungswerther Widerſpruch gegen die Kindertaufe, ſie war vor Anguſtin ſchon vorhanden, und man darf wohl ſagen, factiſch allgemein; ſie hat durch ibn nur etwa ein neues Moment der dogma⸗ tiſchen Vertheidigung erbalten, deſſen ſie ſtreng genommen nicht mehr bedurfte.

Erſt im Gefolge der lutberiſchen Reformation tritt der wiedertäuferiſche Gegenſatz gegen die Kindertaufe ein; aber in einer Weiſe, die vorerſt von ganz an⸗ deren Gründen getragen oder beſſer in dieſer Zeit geboren wurde, als einſt bei Ter⸗ tullian.Der Anabaptismus iſt einfach zu erklären aus einem Excentriſchwerden des materiellen Princips, des Princips des Glaubens, des Princips, das einen durch die Vergebung der Sünden, die gepredigt und angenommen iſt, auf ſich ſelbſt ſtehenden, fröblichen, im edelſten Sinne des Worts, ſich ſelbſt genügenden Chriſtenmenſchen ſchafft. Dieſes, ſo lange es innerhalb ſeiner Schranken bleibt, iſt voll Ernſt und Beſonnen⸗ beit. Die Rechtfertigung, in welcher die geiſtliche Freiheit iſt, aus welcher das Prie⸗ ſtertbum aller Chriſten fießt, erfüllt das Herz mit völliger Freude und mit Frieden, flößt ihm aber eben damit auch Beſonnenheit und Mäßigkeit ein; ja, es ſchuf in denen, welche aus eigner Erfahrung wußten, wie ſchwer es zu gewinnen war, einen

135) Münſcher, a. a. O. p. 470.